Unter den über 900 Objekten, die die Rolle der Medien in den vergangenen 70 Jahren beleuchten, findet sich auch die Mailboxaufzeichnung des Telefonanrufs von Christian Wulff bei Kai Diekmann, der in der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Im Dezember 2011 drohte der damalige Bundespräsident dem Chefredakteur der BILD, die Methoden des Springer-Blattes öffentlich anzuprangern. Damit wollte Wulff das Erscheinen eines kritischen Artikels über seine Person hinauszögern und gegebenenfalls verhindern. 2012 trat er als Bundespräsident zurück.
Im Zentrum der Ausstellung stehen außerdem die Spiegel-Affäre 1962 und die gesellschaftliche Debatte in Folge des provokanten Stern-Titels: „Wir haben abgetrieben!“ 1971. Auch die Proteste gegen den Springer-Verlag in den 1960er Jahren werden behandelt: Fotos, zeitgenössische Sprechchöre, Pflastersteine und die Ausrüstung eines Polizisten veranschaulichen die damaligen Auseinandersetzungen mit den studentischen Demonstranten in West-Berlin.
Wie sich unabhängiger Journalismus angesichts sinkender Auflagen und Werbeeinnahmen zukünftig finanzieren lässt, ist die spannende Frage unserer Zeit. Gleichzeitig beeinflussen die Bürger über soziale Netzwerke zunehmend selbst die öffentliche Meinungsbildung. Auch damit beschäftigt sich die Ausstellung. Als Beispiel dient der Hashtag „aufschrei“ bei Twitter im Frühjahr 2013, der eine gesellschaftliche Diskussion über Sexismus im Alltag anstieß.
Das zum Haus der Geschichte gehörende Zeitgeschichtliche Forum Leipzig zeigt die Ausstellung „Unter Druck! Medien und Politik“ noch bis zum 9. August 2015.





