Karim Aga Khan IV ist das geistige Oberhaupt der Ismailiten. Er gilt zugleich als direkter Nachkomme des Propheten Mohammed. Seine Sammlung gilt als eine der größten und wertvollsten Sammlungen islamischer Kunst und wird ab dem Jahr 2013 im neuen Aga Khan Museum in Toronto beheimatet sein.
Die Berliner Ausstellung zeigt einige der weltweit bedeutendsten Kunstwerke aus islamisch ge-prägten Ländern. Darunter Seiten aus dem persischen Heldenepos „Shahnama“, dem „Buch der Könige“ des Dichters Firdausi. Die Miniaturen zählen weltweit zu den bemerkenswertesten. Ferner ist zu sehen das bisher älteste, arabische und später übersetzte Manuskript des „Kanons der Medizin“ von Ibn Sina (Avicenna). Abu Ali Ibn Sina war Philosoph und Arzt. Sein Hauptwerk diente über 500 Jahre als medizinisches Standardwerk und Lehrbuch für Ärzte in Europa. Als herausragende Kulturgüter gelten auch ein sehr gut erhaltenes mongolisches Seidendamastkleid aus dem 13. Jahrhundert sowie eine Doppelseite des „Blauen Korans“ aus dem 9. Jahrhundert. Die blauen Pergamentbögen sind in goldenen Lettern im kufischen Duktus geschrieben und zählen zu den kostbarsten und aufwendigsten Koranmanuskripten der Welt.
Die Ausstellung ist in zwei Hauptstränge gegliedert: Unter „Das Wort Gottes“ werden Koranmanuskripte, illustrierte Blätter und Objekte präsentiert, die die Pilgerfahrt nach Mekka oder den islamischen Mystizismus thematisieren. Für viele Künstler und Architekten waren sie Quelle der Inspiration. Unter „Die Route der Reisenden“ nimmt die Ausstellung den Besucher mit auf den Weg durch die islamisch geprägte Welt. Diese erstreckte sich von Al-Andalus, dem muslimi-schen Teil der Iberischen Halbinsel, zum Maghreb und Sizilien weiter zum fatimidischen und mamlukischen Ägypten, zum ottomanischen Konstantinopel, umayyadischen Damaskus und ayyubidischen Bagdad und setzt sich fort bis Persien, Zentralasien und dem indischen Mogulreich. Die in dieser Zeit entstandenen Werke zeugen von der Kunstfertigkeit und Kreativität der jeweiligen Gesellschaften und verweisen auf die verschiedenen Einflüsse Asiens und Europas.
Ferner ist ein Ausstellungsteil dem oft mit Homer verglichenen Dichter Firdausi (940/41-1020) gewidmet. Vor genau 1000 Jahren beendete er das Buch der Könige, eines der berühmtesten Werke der persischen Literatur. Es befasst sich mit der Geschichte des antiken Persiens vor der muslimischen Eroberung. Das Shahnama umfasst mehr als 50.000 Verse und ist damit mehr als doppelt so umfangreich wie Homers Epen. Es wurde zum Handbuch der Schahs und Sultane, die um die aufwendig illustrierten Manuskripte miteinander wetteiferten. Zwei dieser Bücher wurden in vollständigem Umfang digitalisiert und können erstmalig von Besuchern virtuell um-geblättert werden.





