Daß sich mit Peter Wells ein mit dem Material bestens vertrauter amerikanischer Forscher die Aufgabe gestellt hat, über die Ereignisse des Jahres 9 n. Chr. eine gut lesbare Darstellung zu verfassen, ist deshalb begrüßenswert. Sie liegt nun in einer (mit wenigen Einschränkungen) untadeligen deutschen Übersetzung vor und führt ihren Leser von der Rezeptionsgeschichte über die Quellen zu den Protagonisten (Varus, Arminius und auch Augustus), schließlich zu den Hintergründen und zur Schlacht selbst, ihrem Verlauf, ihrem Ausgang und ihren Fernwirkungen.
Die Darstellung ist durchgängig kompetent und informativ (besonders dort, wo sie das archäologische Material zum Sprechen bringt), wiewohl in mancher Beziehung sehr amerikanisch. Nichts gegen narrative Geschichtsschreibung, doch treibt Wells’ blumige Sprache zuweilen kuriose Blüten, die schon im Einleitungssatz ihre ganze zweifelhafte Pracht entfalten: „Die frühe Abendsonne spiegelte sich auf der glänzenden Rüstung von Publius Quinctilius Varus …“ Viel, allzuviel Raum billigt er dem Schlachtverlauf selbst zu, und gewiß überschätzt Wells die Bedeutung der Varus-Schlacht gründlich, wenn er sie als „die verheerendste Niederlage, die die römische Armee je erlebt hatte“ deutet. Am Ende war es wohl nicht diese eine Schlacht, sondern die aus römischer Sicht grundsätzliche Unbeherrschbarkeit Germaniens, die es (wie übrigens auch andere Räume) per saldo zu einem wenig lohnenden Expansionsziel werden ließ.
Rezension: Sommer, Michael





