Die historische Uta war die Ehefrau des Markgrafen Ekkehard II. von Meißen, dessen Steinfigur sich neben jener Utas im Westchor des Naumburger Doms findet. Bei der Fertigstellung ihrer Skulptur war sie schon seit 200 Jahren verstorben. Doch wer war der Bildhauer, der eine so filigrane Figur schuf und ihrem Gesicht so viel Emotionalität einzuhauchen verstand? Bis heute ist die Identität dieses Künstlers ungeklärt. Fest steht nur, dass er offenbar für die gesamte Architektur, Skulptur sowie Glas- und Wandmalerei des um 1250 vollendeten Naumburger Westchors verantwortlich war. Aus diesem Grund wird er als „Naumburger Meister“ bezeichnet.
Neben den ausdrucksstarken Stifterfiguren sind auch das Passionsrelief und die Kreuzigungsdarstellung am Westlettner weltberühmt. Ebenfalls in Verbindung mit dem „Naumburger Meister“ gebracht werden die an den Kapitellen des Chors und des Lettners dargestellten Pflanzen sowie die original erhaltenen Glasscheiben mit Heiligendarstellungen in den Fenstern des Chores, da sie in ihrer ikonographischen Gestaltung deutliche Parallelen zu den Stifterfiguren und dem Relief aufweisen.
Die Vereinigten Domstifter und die Stadt Naumburg präsentieren vom 29. Juni bis 2. November 2011 das Werk dieses geheimnisvollen Meisters. Paten der Landesausstellung „Der Naumburger Meister – Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen“ sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy.
Mittels Leihgaben aus Europa und Übersee wird der „Naumburger Meister“ in den internationalen Kontext eingebettet und in den neuesten Forschungsstand eingeordnet. Neben dem Naumburger Dom werden auch andere Werke in Deutschland und Frankreich mit dem „Naumburger Meister“ in Verbindung gebracht. So wird vermutet, dass sich der „Naumburger Meister“ von der französischen Krönungskathedrale Notre-Dame in Reims inspirieren ließ. Erstmals greifbar scheint der „naumburgische“ Stil an den Westportalen der Kathedrale von Noyon sowie an einem Relief in Metz. Im Heiligen Römischen Reich ist das Wirken des Meisters für den Mainzer Dom sowie die Templerkapelle in Iben am Mittelrhein erkennbar. Wahrscheinlich wurde er danach mit der Gesamtplanung für den Naumburger Westchor und der seit 1250 neu erbauten Meißner Kathedrale beauftragt.
Neueste Forschungsergebnisse des NaumburgKollegs werden dem Besucher anhand von 3-D Visualisierungen näher gebracht, so die Art und Weise wie die Stifterfigur Sizzo in den architektonischen Verband des Westchors eingefügt wurde. Das NaumburgKolleg wird von der Volkswagenstiftung gefördert. 2012/2013 werden die ab 2009 verfassten, interdisziplinären Dissertationen in Restaurierung/Konservierung, Bauforschung, Geschichte, Kunstgeschichte, Naturwissenschaften und Tourismusforschung im Naumburger Westchor fertiggestellt sein.





