Manfred Vasold untersucht die auch als „Spanische Grippe“ bezeichnete Epidemie im Zusammenwirken mit dem Ersten Weltkrieg – ein Ansatz, der auch einer umfangreichen, sozialgeschichtlich angelegten Arbeit zugrunde liegt, die er nicht wahrnimmt (Wilfried Witte, Erklärungsnotstand. Freiburg 2006). Darüber hin‧aus versucht Vasold, einen Überblick über den weltweiten Verlauf der Krankheit zu geben. Dabei legt er mehr Wert darauf, die Ausbreitung durch die Kriegsbedingungen (Stichwort Truppentransporte) nachzuzeichnen und die Zahl der Grippetoten aufzulisten, als darauf, die Reaktionen der verschiedenen Akteure und der Betroffenen vergleichend zu analysieren.
Das Vorhaben, die Geschichte dieser Epidemie global in den Blick zu nehmen, ist sicher wünschenswert. Wenn es sich im Grunde aber darauf beschränkt, Land für Land abzuhandeln, statt gezielte Frage‧stellungen transnational zu verfolgen, dann ist eine große Chance vertan. Überhaupt lässt das jüngste Werk Vasolds keine Freude aufkommen. Weder arbeitete er die Epidemie sozialgeschichtlich auf, noch ordnete er sie in einen größeren Zusammenhang ein, etwa durch einen Vergleich mit anderen Seuchenzügen. Belege für Quellen und für so manche Behauptung finden sich selten, insgesamt lässt sich kein Schema ablesen, wann ein Zitat einen Beleg verdiente und wann nicht. Auch stilistisch weist das Buch teilweise schwere Mängel auf. Man fragt sich nach der Lektüre unwillkürlich, warum man sich mit dieser Krankheit beschäftigen soll, und das ist wohl der schwerste Vorwurf, den man diesem Buch machen kann.
Rezension: Dr. Sylvelyn Hähner-Rombach





