Seit dem Ende der 1980er Jahre führen Archäologen im Rahmen der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit auch Ausgrabungen in ehemaligen KZs durch. Man konzentrierte sich zunächst auf Lagerbestandteile wie Baracken, Tore, Zäune und Appellplätze oder die Reste von Gaskammern oder Krematorien, oft in Zusammenhang mit der Errichtung von Gedenkstätten. Zusätzlich wurde aber auch eine riesige Anzahl von Einzelfunden geborgen, etwa Haushaltsgegenstände oder Hygieneartikel, Teile der Barackenausstattung, Accessoires oder Kleidung. Viele Funde können vom täglichen Leben und von den Überlebensstrategien der Häftlinge erzählen.
So bezeugen Objekte wie selbstgefertigte Kämme, Zahnbürsten, Löffel, Gefäße oder Schuhe bzw. geflickte Kleidung nicht nur Not und Mangel, sondern auch den Willen der Internierten, rudimentäre Körperhygiene, zivilisiertes Essen und eine funktionsfähige Kleidung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Damit stemmten sich die Häftlinge gegen die Strategie der Dehumanisierung und Entwürdigung in den Lagern, in denen sie ihrer persönlichen Gegenstände beraubt und zu Nummern degradiert wurden.
Eine selbstgemachte Puppe aus dem KZ Mauthausen belegt den Versuch, einem Kind den grausamen Lageralltag etwas erträglicher zu machen. Und dass zahlreiche Gegenstände mit dem eigenen Namen oder Motiven wie Blumen oder Herzen versehen wurden, zeugt ebenso von berührendem Selbstbehauptungswillen in einer barbarischen Umgebung wie die erhalten gebliebenen Texte oder Zeichnungen, die stets unter Gefahr des Entdecktwerdens entstanden.





