Im Mai 1580 lagen in den Buchhandlungen der 40 000-Einwohner-Stadt Bordeaux – der damals fünftgrößten Frankreichs – druckfrische Exemplare einer zweibändigen Schrift mit einem ziemlich nichtssagenden Titel aus: „Essais“, also „Versuche“, ohne jeden Hinweis darauf, was hier erprobt oder gewagt werden sollte.
Wer neugierig genug war, um das Vorwort aufzuschlagen, fand sich nach der Lektüre nur unwesentlich klüger: Dieses Buch, so sein Autor, sei ein Buch der Aufrichtigkeit („bonne foi“), er werde sich darin ohne jede Beschönigung oder sonstige Verfälschung so darstellen, wie er sei, allerdings ohne sich so vollständig zu entblößen, wie es in früheren, dem natürlichen Leben näheren Zeiten möglich gewesen sei.





