Als Lucrezia Borgia am 30. Dezember 1501 ihre dritte Ehe schloss, kam die Wahl ihres Partners überraschend. Der Vater des Bräutigams, Herzog Ercole von Ferrara, hatte vor Kurzem noch den Anhängern des Dominikanerpredigers Girolamo Savonarola Unterschlupf gewährt, der die Missstände in der Kirche angeprangert hatte und dafür hingerichtet worden war. Doch Ercole erkannte die politischen Vorteile der Ehe. Und Alexander? Den scherte wenig, was in der Vergangenheit vorgefallen war, solange sich neue Möglichkeiten ergaben.
Kaum ein anderer Papst setzte so sehr auf Familienbande wie Alexander VI. An sich wurde Nepotismus an der Kurie seit Langem geduldet. Angesichts der Machtverhältnisse in Rom, wo die Adelsclans der Orsini und Colonna um Einfluss kämpften und viele Kardinäle mehr Interessenvertreter ihrer Herkunftsländer denn Wahrer der Interessen der Kirche waren, war es für die Päpste wichtig, Personen um sich zu wissen, denen sie vertrauen konnten. Doch Alexanders Methoden gebührten sich eher für weltliche Fürsten als für den Stellvertreter Christi auf Erden.





