Daniel Blatman von der Universität in Jerusalem hat nun eine umfassende Studie zum Thema vorgelegt. Er verfolgt chronologisch das grauenhafte, oft von sich widersprechenden Befehlen begleitete Geschehen von den ersten Evakuierungen etwa in Majdanek bis hin zu den Plänen einer Vernichtung der Häftlinge des KZ Dachau durch Bombardierung im April 1945.
Der zweite Teil des voluminösen Bandes befasst sich mit der Rolle von Gewalt und Mord in einer zerfallenden Gesellschaft. Nüchtern berichtet Blatman etwa von der „Jagd“ auf wehrlose Häftlinge, die Celler Bürger Anfang April 1945 abhielten und bei der sie zwischen 200 und 300 Opfer massakrierten; all dies zwei Tage bevor die Engländer eintrafen. Weitere Kapitel haben die Mörder als „ganz normale Bürger in anormaler Situation“ und die ausweglose Situation der Opfer zum Thema. Eine erschütternde Lektüre.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





