Die Vogelperspektive trat seit Ende des 15. Jahrhunderts in der bildenden Kunst in Erscheinung. Künstler bedienten sich des „Blicks von oben“, um die Welt in kosmische, religiöse, sozial-politische oder wissenschaftliche Zusammenhänge einzubinden. Den Anfang der Entwicklung bildete der monumentale Venedig-Plan von Jacopo de‘ Barbari aus dem Jahr 1500. Nie zuvor war eine Stadtansicht mit dieser Genauigkeit und solchen Ausmaßen erstellt worden. Barbari kannte den Blick von oben nicht, seinen Plan konstruierte er allein auf Grundlage von Vermessungen und den Gesetzen der Perspektive. Im 16. Jahrhundert begannen Kartographen dann systematisch Berge, Wälder, Seen, Flüsse, aber auch Dörfer und Städte zu vermessen.
Mit den technischen Innovationen des ausgehenden 18. Jahrhunderts und seinen Nachfolgern veränderten sich auch die Möglichkeiten in der Kunst: Immer höhere Gebäude, die Erschließung der Berggipfel, Heißluftballons und Flugzeuge machten den Blick aus der Luft zu etwas Menschenmöglichem. Die Ausstellung beleuchtet auch den gegenwärtigen Gebrauch der Vogelperspektive und zeigt unter anderem eine Arbeit Gerhard Richters, die auf Grundlage eines Luftaufklärerbilds des zerbombten Köln zu Kriegsende entstand.
„Von oben gesehen. Die Vogelperspektive“ ist noch bis zum 22. Februar 2015 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen.





