Warum rufen derartigen, in den Grundzügen wissenschaftlich seit Jahrzehnten gesicherte Erkenntnisse bis in die Gegenwart hinein so viel emotionale Gegenreaktionen hervor? In der Beantwortung dieser Frage liegt wohl das wichtigste Verdienst von Wettes Buch: Es fand nach 1945 eine kollektive Selbstverleugnung und –rechtfertigung statt, die erst ganz langsam in dem gegebenen politischen Rahmen des Kalten Krieges andere und dem Vernichtungskrieg im Zweiten Weltkrieg angemessenere Erkenntnisse ins Bewußtsein treten ließ. Gerade den Nachkriegsgenerationen, aber auch denjenigen, die eine solche Aussage bis heute nicht wahrhaben wollen, sei die in klarer Diktion geschriebene, behutsam argumentierende Arbeit empfohlen, gibt sie durch ihre langen Zitate doch die Möglichkeit zu eigenem Urteil über die Geschichte der Wehrmacht und der auf sie bezogenen Geschichtspolitik bis in die Gegenwart hinein.
Rezension: Dülffer, Jost





