Freimauerer, Illuminaten, Mafia und Co – Geheimgesellschaften faszinieren den Menschen seit jeher. Seien es die verborgenen rituellen Handlungen, das geheime Wissen, das nur innerhalb des Geheimbundes weitergegeben wird, oder die versteckten Treffen eines exklusiven Mitgliederkreises – diese Geheimnistuerei in verschiedenen Bereichen ihres Auftretens üben den Reiz dieser Bünde aus. Die neue Ausstellung „Geheimgesellschaften, Wissen Wagen Wollen Schweigen“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet sich dieser geheimnisvollen Welt. Der Begriff Geheimgesellschaft impliziert einen konspirativen Hintergrund, der den Gruppierungen unterschiedlichster politischer, gesellschaftlicher, ökonomischer, religiöser, esoterischer oder okkultischer Interessen und Zielen gemein ist. Die Palette reicht von harmlosen Zusammenschlüssen über akademische Bruderschaften bis hin zu mächtigen Verbänden oder Wirtschaftsorganisationen mit eigennützigen finanziellen und politischen Absichten. Die Verschleierung des gemeinsamen und geheimen Wissens geschieht in der Regel durch strikte Geheimhaltung in allen Bereichen – vor allem im Bezug auf die Mitgliedschaft – und durch den Gebrauch besonderer Zeichen, Symbole und Codes, die das ganze Konstrukt nach außen verschleiern.
Diese Aspekte der Geheimhaltung, die Mischung aus Wahn, undurchsichtiger Struktur und subversiver Energie haben seit der Existenz dieser Bünde die Faszination ihrer Nichtmitglieder heraufbeschworen, aber auch Ängste geschürt und Verschwörungstheorien genährt. Dabei ist vor allem das Engagement in Krisenzeiten zu betonen, durch die diese Gesellschaften verstärkt Ersatzwerte für die herrschenden politischen, gesellschaftlichen und technologischen Ordnungen liefern und somit zu einer „dunklen Alternative“ zu konventionellen, aufgeklärten Wertvorstellungen wurden.
Die Ausstellung „Geheimgesellschaften, Wissen Wagen Wollen Schweigen“, geht der Frage nach, inwieweit Geheimgesellschaften mit ihren Einweihungsritualen, ihrer eigenen Formensprache oder verschworenen Mitgliederzirkeln gewisse Mechanismen zeitgenössischer Kunst widerspiegeln und wie umgekehrt Künstler die geheimnisvollen Riten und Symbole der Gesellschaften aufgreifen und thematisieren. Dabei versucht die Ausstellung nicht, das Unsichtbare darzustellen oder Verschwörungen aufzudecken, sondern widmet sich explizit dem Paradoxon, dass ein Geheimnis nur dann existiert, so lange es kommuniziert wird, aber verschwindet, sobald es gelüftet wird.
Zu diesem Zweck wurden mehr als 100 Werke – darunter Gemälde, Fotographien, Skulpturen, Filme und Installationen – von 52 Künstlern in einem labyrinthartigen Parcours im Stile einer verfallenen Stadt angelegt, um das Geheime sowie skurrile Entdeckungen zu offenbaren. Den Besucher erwarten verzweigte Wege, Dreieckswände, Irrbilder, Spiegelungen, optische Täuschungen, Licht und Schatten und es müssen in dieser geistigen Welt von Geheimgesellschaften Rituale gemeistert, Codes und Zeichen entschlüsselt und Verbindungen zwischen den Entdeckungen herstellt werden, um zur nächsten Stufe der Erkenntnis zu gelangen.





