Diese Aspekte der Geheimhaltung, die Mischung aus Wahn, undurchsichtiger Struktur und subversiver Energie haben seit der Existenz dieser Bünde die Faszination ihrer Nichtmitglieder heraufbeschworen, aber auch Ängste geschürt und Verschwörungstheorien genährt. Dabei ist vor allem das Engagement in Krisenzeiten zu betonen, durch die diese Gesellschaften verstärkt Ersatzwerte für die herrschenden politischen, gesellschaftlichen und technologischen Ordnungen liefern und somit zu einer „dunklen Alternative“ zu konventionellen, aufgeklärten Wertvorstellungen wurden.
Die Ausstellung „Geheimgesellschaften, Wissen Wagen Wollen Schweigen“, geht der Frage nach, inwieweit Geheimgesellschaften mit ihren Einweihungsritualen, ihrer eigenen Formensprache oder verschworenen Mitgliederzirkeln gewisse Mechanismen zeitgenössischer Kunst widerspiegeln und wie umgekehrt Künstler die geheimnisvollen Riten und Symbole der Gesellschaften aufgreifen und thematisieren. Dabei versucht die Ausstellung nicht, das Unsichtbare darzustellen oder Verschwörungen aufzudecken, sondern widmet sich explizit dem Paradoxon, dass ein Geheimnis nur dann existiert, so lange es kommuniziert wird, aber verschwindet, sobald es gelüftet wird.
Zu diesem Zweck wurden mehr als 100 Werke – darunter Gemälde, Fotographien, Skulpturen, Filme und Installationen – von 52 Künstlern in einem labyrinthartigen Parcours im Stile einer verfallenen Stadt angelegt, um das Geheime sowie skurrile Entdeckungen zu offenbaren. Den Besucher erwarten verzweigte Wege, Dreieckswände, Irrbilder, Spiegelungen, optische Täuschungen, Licht und Schatten und es müssen in dieser geistigen Welt von Geheimgesellschaften Rituale gemeistert, Codes und Zeichen entschlüsselt und Verbindungen zwischen den Entdeckungen herstellt werden, um zur nächsten Stufe der Erkenntnis zu gelangen.
„Geheimgesellschaften, Wissen Wagen Wollen Schweigen“ 23. Juni bis 25. September Schirn Kunsthalle Frankfurt





