Unweit des prominenten Viertels Eixample mit seinen charakteristischen achteckigen Wohnblocks liegt an der direkt zum Hafen führenden Av. de les Drassanes im Schatten der großen Kolumbus-Säule das Museu Marítim de Barcelona. Es hat seine Geschichte, dass sich das weitläufige Gebäude in direkter Nähe zum Hafen befindet. Sie reicht zurück bis in das Jahr 1280, als Peter III. von Aragón am Rand der Stadtmauer von Barcelona eine Werft errichten ließ. In der anfangs aus zehn Docks bestehenden Anlage wurden jene Galeeren auf Kiel gelegt, mit denen die maritimen Ansprüche des aufstrebenden iberischen Königreiches in die Tat umgesetzt werden sollten.
Nur zwei Jahre später gelang es Peters Flotte dann auch, die Franzosen aus Sizilien zu vertreiben, nachdem schon seine Vorgänger im Jahr 1229 die Balearen hatten besetzen können. Mit dem Erwerb von Sardinien und Teilen von Griechenland sollte Aragóns maritime Expansion zu Beginn des 14. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichen.
Zu den bedeutendsten Schiffen, die in den königlichen Werften, den Artarazanas Reales (oder auf Katalanisch Drassanes Reials), gebaut wurden, zählt fraglos die „Galera Real“, ein 240-Tonnen-Gigant mit einer Länge von 60 Metern. Wohl gegen Ende der 1560er Jahre vollendet, diente sie dem Halbbruder von König Philipp II. und Befehlshaber der Flotte der Heiligen Liga, Don Juan d’ Austria, am 7. Oktober 1571 in der Seeschlacht von Lepanto als Flaggschiff. Außer den 300 Ruderern, die sich an den 60 Rudern ablösen konnten, bot die sechs Meter breite Galeere Platz für 400 Seesoldaten, denen es im Verlauf der Schlacht gelang, das Flaggschiff des osmanischen Admirals Müezzinzade Ali Pascha zu entern und dessen gesamte Besatzung niederzumachen.
Anlässlich der 400. Wiederkehr des Jahrestages von Lepanto entstand in Barcelona auf der Grundlage alter Pläne ein detailgetreues Replikat dieses gewaltigen Schiffes. Mit seinem hochaufragenden und aufwendig verzierten Heck ist es fraglos das zentrale Exponat des Marinemuseums, das schon 1936 im ersten Bürgerkriegsjahr von der Regierung Kataloniens als Museo Marítimo de Cataluña in den alten Hallen am Hafen eingerichtet worden war. Die Sammlung von Navigationsinstrumenten und Schiffsmodellen der 1769 gegründeten Nautikschule von Barcelona bildete damals den Grundstock der Ausstellung, die sich besonders der Rolle Spaniens als Seefahrer- und Entdeckernation widmen sollte.
Die überdimensionierte Anlage, die zwischenzeitlich auch der Armee als Kaserne gedient hatte, entsprach jedoch kaum noch den Ansprüchen, die ein modernes Museum erfüllen sollte, so dass in den 1990er Jahren unter den beiden aus Barcelona stammenden Architekten Esteve und Robert Terradas ein Umbau des gesamten Komplexes in Angriff genommen wurde. Die in fünf Etappen ausgeführten Veränderungen zogen sich allerdings bis ins Jahr 2015 hin, da die Arbeiten immer wieder von archäologischen Grabungen unterbrochen werden mussten.





