So wird die Gemengelage in Judäa, in die Jesus hineingeboren wurde, in knappen, kräftigen Zügen dargestellt und die Einbettung in die römisch gewordene Welt ebenso vorgenommen wie die Überlieferungsgeschichte problematisiert. Stets leitet die Frage nach der Besonderheit des sich herausbildenden Christentums und der Voraussetzung seines Erfolgs die Darstellung. Inwiefern der als Messias begriffene Jesus sich als ebendiese Projektionsfläche eignete, kann man nur dann ansatzweise verstehen, wenn die Gegebenheiten dieser Umwelt in ihrem welthistorischen Rahmen einbezogen werden. Hier schlägt Dahlheim einen gewaltigen Bogen, der antike Politik-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte einschließt und den Horizont absteckt, der die Situation definierte.
Nicht allem wird man im Detail zustimmen wollen (die sogenannten Klientelkönige etwa pauschal als den ihnen anvertrauten Regionen distanziert und desinteressiert gegenüberstehend zu zeichnen, ist deutlich überzogen), und von Zeit zu Zeit fühlt sich Dahlheim seinen Protagonisten allzu nah, was dazu führt, dass er deren innere Regungen nachzuvollziehen meint. Im Allgemeinen aber ist die Darstellung so ausgewogen wie kenntnisreich, und die Fähigkeit zur Pointierung vieler auch in der Forschung vieldiskutierter Problematiken zeichnet den Autor im Besonderen aus. Stets wird der Leser für die Vielschichtigkeit von Zusammenhängen sensibilisiert – wie viele ähnlich angelegte Bücher bieten eine solche Perspektive?
Die Zeit des Übergangs in die römische Kaiserzeit ist nun von Dahlheim in vielen Facetten betrachtet worden, und nach seinen Biographien über Caesar und Augustus liegt in diesem Buch sein Schlaglicht auf die sogenannte Peripherie des Imperiums vor. Diese legte in ihrem Spagat zwischen Anpassung an die neue Zeit und Bewahrung traditioneller Identität das Fundament für den Aufstieg einer neuen monotheistischen Weltreligion. Die Verknüpfung der Erzählstränge gelingt dem Autor wie selbstverständlich meisterhaft. Die Lektüre ist daher ein Vergnügen, und die Auswahl von Zitaten und Bildmaterial überzeugt. Das Werk ist rundum zu empfehlen.
Rezension: Prof. Dr. Christian Wendt





