In der Wikingerzeit (um 770-1066) war die Siedlung Haithabu ein zentraler Handelsplatz in Nordeuropa, da in diesem Gebiet einige der wichtigsten Fernhandelswege zusammenliefen. Dazu gehören zum Beispiel der Ochsenweg, der von Hamburg bis nach Viborg in Jütland führte, und die zahlreichen Seehandelsrouten zwischen Nord- und Ostsee bestehend aus Flussarmen der Treene und der Schlei. Im Frühmittelalter wies das Handwerk in Haithabu daher einen hohen Entwicklungsstand auf, wie zum Beispiel in der Glasperlenherstellung oder der Münzprägung. Auch konnte die christliche Mission in der Siedlung mit seiner internationalen Bevölkerung Fuß fassen. Heute gilt Haithabu als die erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa und sein Hafen als der besterforschte frühmittelalterliche Hafen in Deutschland.
Ein Freilichtmuseum, das in unmittelbarer Nähe zur historischen Stätte liegt, informiert in sieben rekonstruierten Wikingerhäusern mit Hilfe des archäologischen Fundmaterials über die Lebensverhältnisse in der frühen Stadt Haithabu. Die Häuser sind verschiedenen Berufsgruppen zugeordnet, in denen Besucher sowohl über bestimmte Themen, wie Versammlungen und Händlerwesen als auch über die Lebensbedingungen der Kammmacher, Fischer und Tuchhändler informiert werden. Einige der übergreifend gezeigten Themenkomplexe sind Haushalt, Verteidigung, Bestattung sowie Handel und Handwerk.
Veranschaulicht werden das Siedlungsleben und die Umgebung im neuen Wikinger Museum durch die Kombination von Funden, Rekonstruktionen, Modellen und neuen Medien. In der Schiffshalle wird das königliche Langschiff aus dem Hafen von Haithabu präsentiert, der bedeutendste Fund in der Siedlungsstätte.
Über vier Millionen Besucher in den vergangenen 24 Jahren machten das Wikinger Museum Haithabu zu einer der erfolgreichsten Kultureinrichtungen im Norden Deutschlands. Der Komplex wurde im Winterhalbjahr 2009/2010 mit Mitteln des Landes Schleswig-Holstein und der Stiftung Schloß Gottorf umfangreich modernisiert, neu geordnet und im wissenschaftlichen Bereich aktualisiert. Insgesamt wurden für die neue Dauerausstellung und einen glasüberdachten Innenhof 1,8 Millionen Euro investiert.





