Fast 20 Jahre lebte Antonius „der Große“ allein in einem verlassenen römischen Kastell in der ägyptischen Wüste. Das Leben in der Einsamkeit schien ihm die Möglichkeit zu eröffnen, dem christlichen Ideal näherzukommen. Allerdings suchten ihn immer wieder Besucher auf, um seinen Rat und seinen Zuspruch zu erbitten. Sie gingen sogar so weit, mit Gewalt das Tor zum Kastell aufzubrechen. Auch ein Ortswechsel brachte keine Besserung: Ein Leben in echter Einsamkeit war ihm nicht vergönnt.
Es erscheint als Paradox, dass über diejenigen, die auf ihrer Suche nach Einsamkeit den größten Erfolg hatten, nicht berichtet werden kann, hingegen die Berichte über den, der sich vor Besuchern kaum retten konnte, groß an der Zahl sind. Antonius gilt auch deshalb als der erste Mönch (von griechisch: mónos = allein), weil er nicht allein blieb, weil die Zahl seiner Besucher und derer, die seinem Vorbild folgen wollten, so außerordentlich groß war.





