Immerhin wagt der Beck-Verlag ein Jubiläumsbuch und zugleich ein darstellerisches Experiment: Ein Klassischer Archäologe, ein Latinist und ein Althistoriker haben das Werk arbeitsteilig geschrieben; die sechs der Chronologie folgenden Kapitel sind jeweils in drei Unterabschnitte in der Reihenfolge Geschichte, Kunst und Literatur unterteilt. Das produziert einige Wiederholungen und viele Schwankungen im Tenor, je nach Temperament und Grundauffassung.
Doch es gibt durchlaufende Linien, etwa die – leider nirgendwo ausdrücklich aufge‧worfene – Frage, wie stark Augustus die Dinge selbst steuern konnte. Am ehesten gelang die Einschreibung seiner Präsenz in die Erfahrungswelt seiner Zeitgenossen auf dem Feld der von ihm erzeugten und geprägten Bilder, zumal in Rom, aber auch darüber hinaus.
Nie zuvor hatten Bilder als Kommunikationsmittel in solchem Umfang und in so hoher symbolischer Verdichtung die Vorstellungen zu prägen vermocht, die man sich vom Gefüge einer bereits reich aus‧differenzierten Gesellschaft machte. Nicht zufällig bot die augusteische Kunst bis in die Zeit Napoleons hinein mit ihrem Verzicht auf alles Grobe und Brutale die Chiffren für den „Inbegriff des Herrschers schlechthin“.
In der Literatur waren die Dinge naturgemäß komplexer, da hier die Dichter Großes nur schaffen konnten, wenn sie sich ihre intellektuelle und ästhetische Individualität bewahrten. „Augusteisch“ war diese Literatur, indem sie den Herrscher und die von ihm neu formierte römische Welt auf die eine oder andere Weise zum Gegenstand machte, ernsthaft oder spielerisch, affirmativ oder mit Reserven, und all das oft nebeneinander in ein und demselben Werk. Dies wird in temperamentvollen Interpretationen der Werke zumal von Vergil, Horaz, Properz, Tibull und Ovid schlüssig herausgearbeitet.
Am schwierigsten stellte sich die Konstellation natur‧gemäß in der Welt der Politik dar, wo die Erinnerung an den blutigen Aufstieg zur Macht kaum zu tilgen war und die Tradition der Oligarchie, kollektiv und zugleich im Wettbewerb Rom zu regieren, den neuen Herrn zwang, sehr verschiedenen Erwartungen gerecht zu werden. Der zustän‧dige Autor unterstreicht daher mit Recht die Unsicherheiten und Misserfolge auch in der Phase der an sich konsolidierten Herrschaft seit 2 v. Chr.
Insgesamt entsteht ein facettenreiches und ansprechend illustriertes Panorama, wenn auch Ausdrücke wie „Camouflage“, „Geschichts‧klitterung“ und „totalitär“ dem Erklären nicht immer förderlich erscheinen.
Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter





