Die Johanna von Pfirt-Gesellschaft ist eigens für die Durchführung des regionen- und länderübergreifenden Projektes gegründet worden. Johanna, die Namensgeberin der Gesellschaft, trat 1324 zusammen mit ihrer Schwester das Erbe ihres Vaters Graf Ulrich von Pfirt an. Kurz darauf bat der habsburgische Herzog Albrecht II. um ihre Hand. Durch diese Verbindung – die Schwester verzichtete auf das Erbe – gelangte das Haus Habsburg in den Besitz eines geschlossenen Gebiets im heutigen Elsass. An der Seite ihres durch Krankheit geschwächten Mannes griff Johanna aktiv in politische Belange ein und konnte etwa den Friedensschluss zwischen Habsburgern und Luxemburgern herbeiführen.
Das Projekt „Grenzen fließen“ sollte an die gemeinsame Geschichte des ehemaligen habsburgischen Herrschaftsgebiets und der dazugehörigen Vorlande (Elsass, einige Kantone der Schweiz und Südwestdeutschland) erinnern. Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs lautete zu untersuchen, wie Menschen auf die sich immer von neuem wandelnden Grenzen reagiert haben, wie sie heute damit umgehen und in welchem Maß „die fließenden Grenzen“ Landschaften und politische Einheiten beeinflussten. So sollten die einstigen Wege der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Menschen aufgespürt und gleichzeitig das föderale Denken heute gefördert werden. Die Gründer des Wettbewerbs, Professor Peter Heinrich von Wessenberg und Prof. Dr. Ferdinand Graf Kinsky, legten damit die Grundlage für neue Kontakte zwischen dem westlichen und dem östlichen Mitteleuropa. Historiker und Künstler, Heimat- und Kulturvereine sowie Ausstellungsorganisatoren waren aufgerufen, einen historischen Beitrag zum Thema „Grenzen fließen“ einzureichen. Die Arbeiten und Projekte bewertete eine Jury, die sich aus Mitgliedern der Gesellschaft unter dem Vorsitz von Erzherzog Dr. Michael Salvator Habsburg-Lothringen zusammensetzte. Unabhängig von der Verleihung des Hauptpreises wurden bereits in den vier teilnehmenden Gebieten Aargau, Baden-Württemberg, Elsass sowie Niederösterreich mit dem Burgenland und Südtirol regionale Preise überreicht.
In St. Blasien darf nun der Kulturpublizist und Historiker Dr. Peter Coreth als Gesamtgewinner die von dem Künstler Johannes Dörflinger (Konstanz) gestaltete „Johanna und Grenz-Magier“-Statuette entgegennehmen. Kurz nach der Öffnung der österreichisch-tschechischen Grenze gründete Coreth den Verein „Kulturbrücke“, der durch die Organisation zahlreicher musikalischer und andere kultureller Veranstaltungen für eine gemeinsame regionale Identität jenseits nationaler Grenzen eintritt. Diesem Ziel ist auch das von Coreth eröffnete Museum Humanum im Gutshof Fratres in Waldkirchen gewidmet, in dem er eine ganz eigene Museumskonzeption verwirklicht hat. Epochengrenzen und Kulturkreise werden konsequent ignoriert, stattdessen thematisieren die Räume kulturübergreifende Phänomene. So findet eine Buddhafigur aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. neben dem Christusbildnis eines byzantinischen Reliefs Platz – und damit wird die Aufmerksamkeit auf den Heiligenschein gelenkt, der beiden Darstellungen gemeinsam ist. Coreth möchte über Nationengrenzen hinweg die kulturelle Vielfalt verschiedenster Traditionen vor Augen führen.





