Die Geschichte beginnt unspektakulär: Ein kleiner Junge fühlt sich allein gelassen. Sein Vormund, Schmied und Zenturio im römischen Heer, ist von einem Feldzug gegen die Germanen nicht zurückgekehrt. Nach dem Tod seiner Mutter übersiedelt Felix in die römische Hafenstadt Ostia zu seinem reichen Onkel, einem Weinhändler, und erlernt dort widerwillig das Kaufmannsgewerbe. Der Autor Matthias Raidt schafft hier eine Rahmenhandlung, die es jungen Lesern leicht macht, sich in die Zeit um Christi Geburt hineinzuversetzen. Mit einer kleinen Bronzefigur beginnt schließlich das vom Titel versprochene „Abenteuer um die Varusschlacht“: Der inzwischen 17-jährige Felix ist plötzlich voller Tatendrang, denn die von einem Händler aus Germanien importierte Figur könnte von seinem Vormund gegossen worden sein, der folglich noch leben muss.
Aus dem Jüngling wird jedoch nicht unvermittelt ein Held. Vielmehr bricht er mit einer Handelsexpedition seines Onkels nach Germanien auf. Da er sich dort mit einem gleichaltrigen romanisierten Germanen anfreundet, lernt der Leser nebenbei viel über die beiden Kulturen und die damaligen Machtverhältnisse. Felix und Irold geraten auf ihrem Weg ins „freie Germanien“ mitten hinein in die berühmte Varusschlacht. Die Hintergründe des historischen Geschehens erläutert das germanische Mädchen Ferun, in dessen Umgebung Felix auf weitere Spuren seines Vormunds stößt und schließlich an sein Ziel gelangt.
Nach einer Kette von wundersamen Glücksfällen und Verwicklungen, die zwar in ihrer detailgenauen Stimmigkeit verblüffen, aber zum Teil märchenhaft wirken, überzeugt der Schluss des Buches vor allem dadurch, dass kein Wiedersehen stattfindet. Der Leser wird damit konfrontiert, dass Felix in mehrfacher Hinsicht Abschied nehmen muss. Die drastisch geschilderten Kampfesszenen, in denen das „Gemetzel“ im Detail dargestellt wird, erscheinen dagegen überflüssig.
Am Schluss bietet der anschauliche Sachteil des Buches neugierig gewordenen Jugendlichen oder auch deren Eltern weiterführende und ergänzende Informationen zum geschichtlichen Kontext, zu den Methoden der Archäologie und zur Kontroverse um die Varusschlacht. „Drei Legionen für Rom“ ist daher trotz des teilweise pathetischen Stils ein spannendes und empfehlenswertes Buch, das im Idealfall beim Leser das Interesse an der Arbeit des Historikers weckt.
Rezension: Gnädinger, Constanze





