Für die zuständigen Hildesheimer Bischöfe war Heinrich von Minnike schon lange ein rotes Tuch: Der Propst des Goslarer Zisterzienserinnenklosters Neuwerk wurde der Ketzerei verdächtigt, und aus diesem Grund war er bereits mehrfach ermahnt worden. Minnike stammte aus einer Hildesheimer Bürgersfamilie und gehörte dem Prämonstratenserorden an, einer im Jahr 1120 gegründeten Gemeinschaft von Chorherren, die sich in der Folge sehr rasch über ganz Europa ausbreitete. Neben Chorgebet und Handarbeit war den Prämonstratensern, die nach der Regel des heiligen Augustinus lebten, von Beginn an auch die Seelsorge ein wichtiges Anliegen gewesen.
Dazu zählte unter anderem die geistliche Betreuung von Frauenklöstern – wie eben im Fall des Heinrich von Minnike und der Nonnen von Neuwerk. Weshalb ein Prämonstratenser und kein Zisterzienser dieses Amt ausübte, bleibt unklar. Doch haben die Ordenszugehörigkeit Minnikes und die Teilnahme von Zisterziensern an den Untersuchungen gegen ihn bis ins 20. Jahrhundert hinein Anlaß für Spekulationen gegeben. Wollte Minnike die Nonnen für seinen Orden gewinnen und den Zisterziensern abspenstig machen? Immerhin sollen die Nonnen die Regel des heiligen Benedikt in den Brunnen geworfen haben – ein Zeichen besonderer Hochachtung wäre das ja nun nicht gerade gewesen…
Literaturhinweis:
Dietrich Kurze, Anfänge der Inquisition in Deutschland, in: Peter Segl (Hrsg.), Die Anfänge der Inquisition in Deutschland, Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 1993.
Uwe A. Oster





