„Die Göttliche Komödie“ diente als Vorlage für eine reiche und vielfältige Kunstproduktion von der Frührenaissance bis in die Moderne und Gegenwart. In der Ausstellung wird mit dem umfangreichen Bilderzyklus des deutschen Malers und Grafikers Theodor Zeller (1900–1986) aus Denzlingen eine möglichst vollständige und textgetreue künstlerische Verarbeitung des literarischen Stoffes präsentiert.
Darüber hinaus werden künstlerische Arbeiten aus dem Mutterland der Göttlichen Komödie gezeigt, im Besonderen Faksimile‐Zeichnungen von Sandro Botticelli (1445–1510), die als bedeutende Inspirationsquelle für Zeller gelten können, sowie meisterhafte Radierungen des Südtirolers Markus Vallazza (*1936) aus einem der umfassendsten Illustrationszyklen zum Thema überhaupt. Im Gegensatz zur illusionistischen Darstellungsweise Zellers zeichnen sich die Bilder des russischen Künstlers und Kinematographen Valery Kharitonov (*1939) durch ihren abstrakten und mystisch‐spirituellen Charakter aus.
Eine völlig neuartige Kunstauffassung zeigt sich in der Installation zur Göttlichen Komödie des amerikanischen Künstlers und Menschenrechtsaktivisten Roger Roberts (geb. 1952), indem er auch buddhistische, pazifische und afrikanische Elemente in seine Kunst einbezieht.
Schließlich wird mit dem Bilderzyklus „Die Sieben Todsünden des 20. Jahrhunderts“ des österreichischen Malers und Zeichners Robert Hammerstiel (geb. 1933) auf den ersten der drei Abschnitte der „Göttlichen Komödie“ Bezug genommen, nämlich auf die „Hölle“, um auf die erschreckende Aktualität des Stoffes in unserer heutigen Welt aufmerksam zu machen.
Dante Alighieri zählt zu den drei Universalgenies der westlichen europäischen Literatur (zusammen mit Shakespeare und Goethe) und war auch Prosaschriftsteller, Rhetoriker, Vorreiter und Theoretiker der italienischen volkssprachlichen Literatur, Moralphilosoph und politischer Vordenker. Dass er sein Meisterwerk „Die Göttliche Komödie“ auf Italienisch und nicht wie bis dahin üblich in lateinischer Sprache verfasste, beeinflusste entscheidend die Entwicklung der europäischen Literatur von ihren lateinischen Wurzeln zur Ausdrucksform einer neuen Gesellschaft.
Das Leitmotiv der „Divina Commedia“ lässt sich mit einem Satz umschreiben: des Menschen langer Weg zu Gott – der Weg des sündigen Menschen zum ewigen Heil. Sie erzählt die Geschichte der visionären Wanderung Dantes vom Karfreitag bis zum Ostersonntag des Jahres 1300 durch die drei Reiche des Jenseits im mittelalterlich‐christlichen Kosmos in der Ich‐Form. Diese Reise wird notwendig, „weil“, so Dante, „ich den rechten Weg verloren hatte“. Zunächst führt Dantes Weg durch die Tiefen der Hölle („Inferno“), danach in aufsteigenden Stufen auf den Berg der Läuterung („Purgatorio“) und schließlich in den Himmel („Paradiso“), der sich in neun Schalen über die Erde wölbt.





