Mortimer zeigt, dass weniger spektakuläre technologische Innovationen die mittelalterliche Welt verwandelten, als vielmehr viele kleine Veränderungen, die nach und nach den Horizont der Zeitgenossen weiteten. Er zeigt systematisch für verschiedene Dimensionen auf, wie sehr sich die gemeinhin Mittelalter genannte Welt auf den Ebenen der Kriegführung, der sozialen Ungleichheit, des Lebenskomforts, der Reise- und Nachrichtenübermittelungsgeschwindigkeit, der Bildung und des Individualismus transformierte. Auf all diesen Prozessen baut letztlich auch die Moderne auf, die stärker im Mittelalter wurzelt als gemeinhin anerkannt. Das gut lesbare Buch, das sich vor allem auf England konzentriert, räumt mit vielen Missverständnissen auf und führt gerade ein Laienpublikum in eine spannende und zu Unrecht unterschätzte Epoche.
Rezension: Dr. Sebastian Rojek
Ian Mortimer
Als Licht das Dunkel durchdrang
Das unterschätzte Mittelalter – eine Epoche des Wandels
Piper Verlag, München 2024, 327 Seiten, € 24,–.





