Trotz aller Forschungsbemühungen, die Herkunft der Staufer aufzuklären, weiß man wenig Gesichertes über deren Vorfahren vor der Zeit des sogenannten Investiturstreits. Im Zusammenhang mit der Staufer-Ausstellung in Stuttgart (1977) wurde zwar eine umfangreiche, breit rezipierte Stammtafel erstellt, doch ist diese, wie jüngere Forschungen gezeigt haben, leider alles andere als zuverlässig. Die Spannung zwischen der weitgehend im Dunkeln liegenden Herkunft der staufischen Familie und ihrem schnellen Aufstieg zu einem der führenden Hochadelsgeschlechter des Reichs und schließlich zur Königs- und Kaiserwürde scheint ein besonderer Anreiz für genealogische Konstruktionsversuche zu sein, die sich für die Frühzeit mangels entsprechender Quellen jedoch allzu leicht im Spekula‧tiven verlieren.
Die spärlichen Überlieferungssplitter fügen sich erst für die Zeit seit dem späten 11. Jahrhundert zu einem deutlicheren, wenn auch immer noch sehr lückenhaften Bild. Das wichtigste und prominenteste Zeugnis zu den Staufervorfahren verdankt sich dem Umstand, dass Friedrich Barbarossa (gest. 1190) seine Ehe mit der Markgräfin Adela von Vohburg 1153 auflösen ließ. Da das Kirchenrecht eine Scheidung nicht vorsah, war es erforderlich, die Ungültigkeit der Eheverbindung nachzuweisen. Die engen Familienverflechtungen innerhalb der adligen Führungsschicht eröffneten in einem solchen Fall mitunter die Möglichkeit, eine un‧kanonische Nahverwandtschaft der Ehepartner ins Feld zu führen. Vor diesem Hintergrund erstellte Abt Wibald von Stablo, ein Berater Barbarossas, eine Verwandtschaftstafel, die wohl aufzeigen sollte, wie eng Barbarossa mit seiner Gemahlin verwandt war.
Das berühmte Dokument wirft zudem interessante Schlaglichter auf die herausragende Bedeutung, die man im unmittelbaren Umfeld Bar‧barossas seinem Großvater väterlicherseits, Herzog Friedrich I. von Schwaben (gest. 1105), und dessen Gemahlin Agnes (gest. 1143) beimaß. Abt Wibalds genealogische Zusammenstellung zeichnet die Abstammungsreihen der Vorfahren Barbarossas und seiner Gemahlin Adela nach, die über fünf beziehungsweise sechs Generationen hinweg bis zu einem nicht mehr namentlich bezeichneten Ehepaar zurückgeführt werden.
Bei der streng die väterliche Linie verfolgenden Stammreihe Barbarossas fällt auf, dass über fünf Generationen hinweg alle Genannten den Namen „Friedrich“ tragen. Dass dieser Leitname vom ersten nicht weiter bezeichneten Friedrich bis zu König Friedrich (= Friedrich Barbarossa) vom Vater auf den Sohn weitergegeben wurde, ist als eindrückliches Zeichen für die Kontinuität im Selbstverständnis dieser Adelsfamilie zu werten. Staufer waren die ersten „Friedriche“ aber strenggenommen noch nicht, allenfalls könnte man den zweiten Friedrich als „Bürener“ ansprechen. Möglicherweise verweist die Zubenennung „von Büren“ auf den Sitz dieses Adligen. Um welches „Büren“ beziehungsweise „Beuren“ es sich handelt, bleibt unsicher. Im wahrsten Sinn am naheliegendsten ist, an den Ort Wäschenbeuren zu denken, der in unmittelbarer Nähe des Hohenstaufen liegt und damit unterhalb des Berges im nördlichen Vorland der Schwäbischen Alb, auf dem der Sohn Friedrichs von Büren später die Burg Staufen als neuen und namengebenden Herrschaftssitz errichtet hat.





