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Eilsleben: Neue Erkenntnisse zu den ersten Bauern Mitteldeutschlands
Geschichte & Archäologie

Eilsleben: Neue Erkenntnisse zu den ersten Bauern Mitteldeutschlands

Die jungsteinzeitliche Siedlung von Eilsleben in Sachsen-Anhalt gilt als wichtige Informationsquelle zum Leben der ersten Bauern in Mitteldeutschland. Nun liegen neue Untersuchungsergebnisse der archäologischen Ausgrabungen vor. Demnach war die Siedlung rund achtmal größer als bislang angenommen. Zudem war sie von einem aufwendigen Wall-Grabensystem mit Palisaden umgeben. Das legt nahe, dass das Zusammenleben der neu eingewanderten Bauern mit den zuvor ansässigen Jäger-Sammler-Gesellschaften nicht ganz harmonisch verlief. Wie schwer die territorialen Konflikte um das fruchtbare Land waren, ist aber noch unklar.
Autor
Claudia Krapp
22. Januar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Bei Eilsleben im Landkreis Börde liegt eine rund 7500 Jahre alte Siedlung aus der frühen Jungsteinzeit, in der einige der ersten Bauern in Mitteleuropa gelebt haben. Sie wurde um 5375 vor Christus errichtet und wird von Historikern den Menschen der sogenannten Linienbandkeramischen Kultur (5500 bis 4800 vor Christus) zugeordnet und gehört mit einer Fläche von rund zwölf Hektar zu den größten Ortschaften ihrer Zeit.

Bereits zwischen 1974 und 1989 haben Archäologen die Gegend bei Eilsleben umfassend untersucht. Dabei dokumentierten sie Spuren von Häusern und Gräbern und fanden Überreste von Keramik, von Werkzeugen aus Stein, Feuerstein und Geweih sowie Tierknochen. Seit 2024 finden nun weitere Ausgrabungen statt. Die Forschenden erhoffen sich davon weitere Einblicke ist das Leben dieser frühen, Ackerbau und Viehzucht betreibenden Bauern, die wahrscheinlich aus Anatolien und der Ägäis nach Mitteleuropa eingewandert waren. In Sachsen-Anhalt fanden sie fruchtbaren Lössboden vor.

Karte zeigt den Aufbau der Siedlung bei Eilsleben
Eilsleben, geophysikalischer Plan der Siedlung mit Grabungsflächen, Hausstrukturen und Befestigungsanlagen. © LDA Sachsen-Anhalt & Martin-Luther Universität Halle, D. Kaufmann, M. Heikkinen, E. Zamzow, L. Dietrich, F. Becker

Konflikte zwischen Einwanderern und Ansässigen?

Unklar ist, wie die Beziehung der Bauern zu den Jägern und Sammlern aussah, die vor ihnen in der Region lebten. Vermutet wird, dass die Neuankömmlinge die ansässigen Jäger-Sammler-Gesellschaften von den fruchtbaren Böden vertrieben und sie in für den Ackerbau weniger geeignete Zonen abdrängten. Dennoch blieben die neolithischen Einwanderer wahrscheinlich in engem Kontakt mit den Einheimischen, wie einige Werkzeugfunde wie Pfeilspitzen nahelegen, die beide Kulturen nutzten. Eilsleben ist bei dieser Frage nach den interkulturellen Beziehungen besonders aufschlussreich, da es an der nördlichen Grenze der bäuerlichen Welt liegt.

Nun haben Forschende vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, von der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg und der Freien Universität Berlin neue Ergebnisse zum Zwischenstand der Ausgrabungen veröffentlicht. Demnach fanden sie ungewöhnlich gut erhaltene Überreste der einstigen Siedlung. Diese werden nun mit naturwissenschaftlichen Analysen wie Archäobotanik, Mikromorphologie und Sedimentanalysen näher untersucht. Das soll dann auch Aufschluss darüber geben, wie die Infrastruktur in der Siedlung bei Eilsleben genau aussah. Unklar ist beispielsweise, welche Areale der Ortschaft welchen Zwecken dienten.

Wall-Grabensystem gegen Angreifer?

Erste Ergebnisse legen nahe: Die Siedlung wurde offenbar schon während der frühesten Einwanderungswelle von den ältesten Bauern aus der Linienbandkeramik befestigt. Sie legten ein aufwendiges Wall-Grabensystem mit Palisaden an, dass die Häuser umschloss und gegen Angreifer abschirmte. Zudem stellten die Forschenden fest, dass die Siedlung samt umliegender Befestigung eine sehr viel größere Fläche einnahm als bisher angenommen: 80.000 statt 10.000 Quadratmeter. Weitere Tests sollen nun zeigen, ob diese Befestigung angelegt wurde, um die Bauern vorsorglich oder aktiv vor Konfrontationen mit der Vorbevölkerung zu schützen. Sie liefert wichtige Hinweise darauf, ob es schwere territoriale Konflikte zwischen den frühen Bauern und den ansässigen Jäger-Sammler-Gesellschaften gab.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt – Landesmuseum für Vorgeschichte; Fachartikel: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2025.10270

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