Das „Domesday Book“ ist eines der faszinierendsten Schriftdokumente des Mittelalters. Historikern und Juristen bietet der Zensus, anfangs „Buch von Winchester“ genannt, einen unverstellten Blick auf das mittelalterliche England, eine archaische Welt, in der sich durch die normannische Eroberung binnen weniger Jahre eine tiefgreifende soziale Umwälzung vollzog.
Der große Philosoph und Historiker David Hume meinte im 18. Jahrhundert, kein Volk besäße ein wertvolleres Dokument aus der Vergangenheit als das „Domesday Book“. Für englische Lokalhistoriker ist es eine unverzichtbare Quelle. Aber nicht nur für sie. Archäologen können mit seiner Hilfe aufgelassene angelsächsische und normannische Siedlungen aus dem frühen Mittelalter lokalisieren. Gelegentlich dient das Werk immer noch als letzte Instanz bei Rechtsstreitigkeiten über Landbesitz und strittige Eigentumsverhältnisse. 1958 konnte eine kleine englische Stadt ihr Marktrecht geltend machen – unter Berufung auf den 900 Jahre alten Bericht. Erst als England zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Volkszählung durchführte, entstand dort wieder eine vergleichbare Dokumentation. …
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