Am 11. November 1918, dem Tag, an dem an der Westfront der Erste Weltkrieg zu Ende ging, schrieb die britische Sozialreformerin Beatrice Webb – gemeinsam mit ihrem Ehemann Sidney hatte sie die London School of Economics und die Zeitschrift „The New Statesman“ gegründet – in ihr Tagebuch: „Überall stürzen die Herrscher und sind die Begüterten insgeheim am Zittern. Wie lang wird es wohl dauern, bis die Flut der Revolution die Welle des Triumphs einholt? Das ist die Frage, die Whitehall und den Buckingham-Palast derzeit umtreibt und sogar den Umsichtigeren unter den Demokraten größte Sorgen bereitet.“
Webbs „Sorgen“ vor einer europaweiten Revolution wurden vielerorts in Europa geteilt, zumal sich mit dem Ende der Kampfhandlungen an der Westfront das Augenmerk der Öffentlichkeit stärker auf die Ereignisse in Russland richtete, wo die Bolschewiki unter Führung Lenins bereits im Herbst 1917 erfolgreich gegen die demokratisch legitimierte Provisorische Regierung geputscht und ihr Land in der Folge in einen immer weiter eskalierenden Bürgerkrieg gestürzt hatten.
Mit der Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns schien sich die Revolution ins Herz Europas auszuweiten. …
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