Die historische Stadt Mezamor liegt rund 35 Kilometer südwestlich von Jerewan in Südarmenien. Wo heute nur noch spärliche Ruinen zu sehen sind, befand sich etwa ab dem 4. Jahrtausend vor Christus ein bronzezeitliches Handels- und Machtzentrum. Die Stadt besaß einen zentralen Zikkurat, war von einer Stadtmauer aus mächtigen Steinblöcken umgeben und umfasste schon zu ihrer Anfangszeit Werkstätten zur Verhüttung von Kupfer. Von ihrer Lage an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten profitierend, erreichte Mezamor vom 4. bis 2. Jahrtausend v.Chr. eine Ausdehnung von gut zehn Hektar. Ab dem 11. Jahrhundert v.Chr. war die Stadt sogar 100 Hektar groß und blieb bis zum 17. Jahrhundert bewohnt.
Ein totes Paar im Bronzezeitgrab
“Am Ende des 2. Jahrtausends v.Chr. gab es keine andere Siedlung in der Region, die sich mit ihr an Größe und Macht messen konnte”, erklärt Projektleiter Krzysztof Jakubiak von der Universität Warschau. Gemeinsam mit armenischen Kollegen führt Jakubiaks Team seit 2013 Ausgrabungen in Mezamor und der dazugehörenden Nekropole durch. Bisher haben die Archäologen dort neben einigen Dolmen rund 100 Gräber gefunden und untersucht. Allerdings waren nur sehr wenige davon nicht schon von Grabräubern ausgeplündert.
Typischerweise handelt es sich bei den Gräbern in Mezamor um Steinkistengräber. Dabei wurden die Toten in einer mit großen Steinen ausgekleideten Grube bestattet und anschließend das Grab mit einem Grabhügel bedeckt. Im Herbst 2022 stießen Jakubiak und sein Team auf ein solches Steinkistengrab, in dem vor rund 3200 Jahren zwei Tote – ein Mann und eine Frau gemeinsam bestattet worden waren. Beide lagen auf den Resten einer hölzernen Bahre und waren zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 30 und 40 Jahre alt. “Ihr Tod ist uns ein Rätsel, wir können keine klare Todesursache feststellen”, berichtet Jakubiak. “Aber alles spricht dafür, dass beide zur gleichen Zeit starben, denn es gibt keine Spuren einer Wiederöffnung des Grabes.”
Schmuck aus Perlen, Karneol und Gold
Anders als bei den meisten anderen Gräbern in Mezamor war dieses Grab nicht geplündert. Es enthielt reiche Grabbeigaben, weshalb Jakubiak es auch als “Goldenes Grab” bezeichnet. Konkret fanden die Archäologen darin mehr als hundert Perlen und mehrere Anhänger aus Gold, einige davon ähnelten ein wenig keltischen Kreuzen, wie die Forscher berichten. Auch rund ein Dutzend Anhänger aus Karneol lagen auf und neben den Skeletten. “Diese Schmuckstücke gehörten wahrscheinlich einst zu drei Halsketten”, berichtet Jakubiak.
Neben dem Schmuck fanden die Archäologen im Grab auch rund ein Dutzend intakte Keramikgefäße sowie eine für diese Nekropole bisher einzigartige Fayence-Flasche. Sie war nicht lokalen Ursprungs, sondern musste damals aus der Grenzregion von Syrien und Mesopotamien importiert worden sein. Bisher ist nicht bekannt, wer die Toten waren und welchem Volk sie angehörten. Weil die Menschen im bronzezeitlichen Mezamor keine Schrift nutzten, ist die kulturelle Zugehörigkeit der Stadtbevölkerung zu dieser Zeit bislang ungeklärt. Jakubiak und sein Team hoffen jedoch, auf Basis ihrer Funde und weiteren Ausgrabungen, dieses Rätsel klären zu können.





