Zu diesem Anlass verfasste der junge Dichter Vergil ein Gedicht, in dem er die bevorstehende Geburt eines Heilskindes besang. Dieses würde in der neuen Zeit friedvoll regieren. Das kleine Meisterwerk antiker Poesie steckt voller Anspielungen auf religiöse Konzepte und zeitge-schichtliche Ereignisse. Daher konnten die Urchristen aus Vergils Text eine Vorausahnung der Geburt Christi her-auslesen. Sie verstanden den Dichter als „von Natur aus christliche Seele“, und diesem Verständnis verdankte Vergil seine Wahrnehmung im Mittelalter als bedeutendster Dichter der Antike. Vor dem Hintergrund der Zeit gelesen, feierte das Gedicht wohl eher den Friedensvertrag zwischen Mark Anton und Oktavian, dem späteren Augustus, sowie die Hoffnung auf die Geburt eines Sohnes von Oktavia und Mark Anton, mit dem höchste Erwartungen für einen dauerhaften Frieden ver‧bunden waren. Ein Jahr später gebar Ok‧tavia jedoch eine Tochter, der Krieg brach wieder aus und fand sein Ende erst mit der Niederlage Mark Antons und Kleopatras.





