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Ein Ingenieur im Schatten Oskar von Millers

Ein Ingenieur im Schatten Oskar von Millers

Wilhelm Füßl, der ehemalige Leiter des Archivs des Deutschen Museums in München, beschäftigt sich in seinem neuesten Buch mit dem Lebensweg des heute weitgehend vergessenen Ingenieurs Arthur Schönberg.
07. Januar 2026
Lesezeit
2 Minuten

Das Leben dieses langjährigen Mitarbeiters Oskar von Millers, des Pioniers der Elektrotechnik und Gründungsvaters des Deutschen Museums, ist vor allem aus zwei Gründen von historischem Interesse. Zunächst war Schönberg so wie Miller ein maßgeblicher Akteur der Elektrotechnik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und beteiligte sich wie dieser am Aufbau des Deutschen Museums. Ungeachtet seiner Leistungen wurde er Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und kam 1943 im Ghetto Theresienstadt ums Leben.

Diese beiden zentralen Aspekte der vorliegenden Biographie zeigen unzweifelhaft die Relevanz der Arbeit, mit beiden ist aber zugleich ein grundlegendes Problem angesprochen. Da Schönberg zeit seines Lebens ein Akteur in der zweiten Reihe hinter Oskar von Miller blieb und es aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung kein Erbe oder gar so etwas wie einen schriftlichen Nachlass gab, ist die Quellengrundlage mehr als knapp. Die Arbeit an dem Buch war also keineswegs trivial.

Füßl schreibt selbst, es sei das Ergebnis jahrzehntelanger Recherche. Dennoch bedingt die schwierige Überlieferungssituation, dass Schönbergs Lebensbeschreibung ein Fragment bleiben muss und Aspekte wie etwa seine persönlichen Ansichten oder sein Familienleben weitestgehend im Dunkel der Geschichte verborgen bleiben.

Besonders positiv erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass der Verfasser nicht versucht, die offensichtlichen Lücken – etwa durch die Kontextualisierung – zu füllen, sondern diese sichtbar macht und ihre Gründe thematisiert.

Der in Wien zum Maschinenbauingenieur ausgebildete Schönberg begann nach unterschiedlichen beruflichen Stationen im Jahr 1900 seine Tätigkeit im Konstruktionsbüro Oskar von Millers und stieg hier aufgrund seiner Leistungen schnell zur rechten Hand seines Chefs auf. Hier war er beim Ausbau der Wasserkraftnutzung zur Stromgewinnung und dem Ausbau zunächst lokaler und später überregionaler Netzwerke eingebunden – eine Phase, die vor allem für die Industrialisierung Bayerns von zentraler Bedeutung war. Aber auch um die alltägliche Nutzung der Elektrizität machte sich Schönberg verdient, in diesem Zusammenhang ist vor allem an das elektrische Kochen zu denken.

Von der Gründung 1903 bis zu seiner durch die Nationalsozialisten initiierten Ausschließung 1934 war Schönberg Mitglied des Ausschusses des Deutschen Museums und beteiligte sich am Aufbau dieser bis in die Gegenwart bedeutendsten Institution der Vermittlung und Erforschung der Wissenschafts- und Technikgeschichte.

Füßl ist es gelungen, ein wichtiges Buch zu schreiben, das den breiten Bildungshorizont des Autors spiegelt. Der Gegenstand und die fragmentarische Überlieferung bedingen, dass es kein kurzweiliges oder einfaches Buch geworden ist.

Rezension: Dr. Thomas Schuetz

Wilhelm Füßl
Arthur Schönberg (1874–1943)
Ein Ingenieurleben im Schatten Oskar von Millers
Deutsches Museum Verlag, München 2024, 272 Seiten, € 29,90

FüßlOskarRezensionSchoenberg

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