Die haushohe Niederlage Winston Churchills bei den Parlamentswahlen vom Juli 1945 muss aus heutiger Sicht erst einmal verwundern. Waren die Briten undankbar geworden? Wie konnten sie ihren großen Kriegshelden abwählen, dessen Verehrung schon zu Lebzeiten kultische Züge angenommen hatte? Tatsächlich gab es dafür gute Gründe. Die britischen Konservativen hatten im Wahlkampf ganz auf die Popularität Churchills gesetzt. Doch dieser hatte seinen Landsleuten rhetorisch nicht viel anderes anzubieten als in Kriegszeiten: Warnungen vor totalitärer Gefahr, die jetzt nicht mehr von den deutschen Nazis ausging, aber angeblich von der britischen Labour-Partei.
Ein konstruktives innenpolitisches Programm hatten die Tories nicht. Doch die britischen Wähler wünschten sich sozialpolitische Reformen und mehr staatliches Engagement für Gesundheit, Bildung und auf dem Wohnungsmarkt. Churchill hatte den Krieg gewonnen, jetzt sollte der neue Premierminister, der Labour-Politiker Clement Attlee (amt. 1945–1951), für die Briten „den Frieden gewinnen“.





