Nordwestlich des Stadtgebiets von Stavanger in Norwegen liegt eine bekannte archäologische Fundstätte aus der Wikingerzeit. Dort, in Gausel, wurde schon im Jahr 1883 das Grab einer hochgestellten Wikingerfrau entdeckt, möglicherweise einer Königin. Ihr Grab ist reich mit kostbaren Grabeigaben ausgestattet, darunter Schmuck aus Silber und Bronze, Perlen, verzierte Messer und einer Pferdetrense. Einige dieser Objekte stammen zudem nicht aus Skandinavien, sondern aus Großbritannien und Irland.
Verzierungen in Gold und Silber
Jetzt haben zwei Hobby-Schatzsucher im Gebiet von Gausel erneut einen Fund gemacht. Mithilfe ihrer Metalldetektoren stießen sie auf drei Bruchstücke eines kostbaren Schwerts. Nähere Untersuchungen durch Wissenschaftler des Museums für Archäologie der Universität Stavanger ergaben, dass es sich um ein Schwert aus der Zeit um 800 handelt – und damit aus der Ära der Wikinger. Die Schwertklinge fehlt zwar, aber Form und Größe des Hefts legen nahe, dass dies eines der größten und am reichsten verzierten bisher bekannten Schwerter der Wikingerzeit ist, wie die Archäologen berichten.
“Es ist aufregend, einen solchen Fund zu machen, wir entdecken jeden Tag neue Details”, sagt Konservatorin Cora Oschmann. Das Heft des Schwertes trage einzigartige Verzierungen in Gold und Silber. Darunter sind geometrische Figuren aus Silber, die in der sogenannten Niello-Technik gefertigt sind. Dabei werden Linien und Muster in das Silber eingraviert, die anschließend durch schwarze Farbe hervorgehoben werden. Die beiden Enden der Kreuzstange sind zu Tierköpfen geformt. “Die Handwerkstechnik ist von sehr hoher Qualität und das reiche und komplizierte Dekor und die räumliche Ausformung der Kreuzstange machen dies zu einem wirklich einzigartigen Fund”, sagt Zanette Glørstad vom Museum für Archäologie.

Aus Frankreich oder England importiert
Bedeutsam ist der Schwertfund aber noch aus einem anderen Grund: Die Verzierungen legen nahe, dass dieses Wikingerschwert nicht aus heimischer, skandinavischer Produktion stammte. Denn die Ornamentik und Tiermotive ähneln historischen Schwertern, die in Westeuropa geschmiedet wurden. “Das Dekor spricht dafür, dass dieses Schwert in Frankreich oder England gefertigt wurde”, sagt Glørstad. Dem neuen Schwertfund am ähnlichsten sei ein ebenfalls rund 1200 Jahre altes Schwert, das in einem Grab auf der schottischen Insel Eigg entdeckt worden war. “Auch das neue Schwert kann in diese Zeit datiert werden, wie das Schwert von Eigg”, so die Archäologin.





