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Ein Leben für Stadt, Kirche und Reich
Vor 1000 Jahren verstarb mit Burchard von Worms (um 965–1025) einer der bedeutendsten Gelehrten des hochmittelalterlichen Kirchenrechts. Doch das Wirken des tatkräftigen Bischofs reichte darüber hinaus: Als Reformer, Bauherr und Mittler zwischen Kirche und Gesellschaft prägte er seine Zeit.
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Mein Herz treibt mich durch fortwährende Zuflüsterungen unablässig an, unseres seligen Vaters, des Bischofs Burchard, heiliges und gottgeweihtes Leben … zu schreiben“, so bemerkte schon kurz nach Burchards Tod am 20. August 1025 ein Mitglied des Wormser Domkapitels im Vorwort der Lebensbeschreibung Burchards, der „Vita Burchardi“. Er wandte sich in seinen Vorbemerkungen an einen unbenannten Bischof (wahrscheinlich von Speyer), dem er schon zu Lebzeiten über Burchard erzählt habe, „mit welch unerschütterlichem Geiste er [Burchard] in den Werken Christi, in den heiligen Schriften, in Fasten, Nachtwachen und Gebeten verharrt habe“.
Der Verfasser erzählt dann aber noch viel mehr und bietet einen Lebensabriss von der Geburt bis zum Tod, der den Bischof von Worms auch in zahlreichen anderen Facetten erscheinen lässt. Es handelte sich dabei wohl um keine Vita, die eine Heiligsprechung vorbereiten sollte, aber hagiographische Schriften halfen, die Erinnerung an eine Person nachhaltig zu begründen, so auch im Fall Burchards.
Bischöfe gehören zu den Gestaltern des gesellschaftlichen Wandels
Burchard war nicht der einzige Bischof des ausgehenden 10. und des beginnenden 11. Jahrhunderts, der mit einer Vita bedacht wurde. Die Lebensbeschreibungen dieser Zeit unterstreichen, wie sehr Bischöfe die Epoche gestalteten. Offensichtlich war der gesellschaftliche und kirchliche Aufschwung dieser Zeit vor allem mit Bischofsgestalten wie Burchard, Willigis von Mainz oder auch Godehard von Hildesheim verbunden. Wurden sie früher noch als „Reichsbischöfe“ bezeichnet, so spricht die Forschung heute von Diözesanbischöfen und stellt eine „Episkopalisierung der Kirche“ in dieser Zeit in den Vordergrund, die den Ausbau von Macht, Kompetenzen und Befugnissen der Bischöfe anspricht.
Kindheit und Jugend prägen einen Menschen. Dies dürfte auch auf Burchard zutreffen. Wohl um 965 als Sohn einer nordhessischen Adelsfamilie geboren, wurde er als Geistlicher in Koblenz – vielleicht im Stift St. Florin oder St. Castor – ausgebildet. Entscheidend waren nach dem Besuch weiterer Studienorte aber die sieben Jahre, die Burchard von 993 bis 1000 im Umfeld des bedeutenden Mainzer Erzbischofs Willigis von Mainz (975–1011) verbrachte. Hier lernte er ein wichtiges urbanes und kirchliches Zentrum der Zeit kennen. Der Mainzer Erzbischof ließ damals die Sakrallandschaft seines Metropolitansitzes nach römischem Vorbild umgestalten, unter anderem mit der wohl 997 begonnenen Domanlage, die sich die römische Peterskirche zum Vorbild nahm. Burchard wurde 995 Propst des Kollegiatstiftes St. Viktor und 997 zum Priester geweiht.
In Mainz konnte Burchard seine Kenntnisse in kirchlichem und wohl auch im weltlichen Recht erweitern, denn die entsprechenden Bücher zum Studium waren in der Mainzer Dombibliothek unter Willigis vorhanden. Burchards Erhebung zum Bischof von Worms erfolgte schließlich fast schon überstürzt. Sie war wohl auch dem Einfluss des Mainzer Erzbischofs geschuldet. Denn nach dem plötzlichen Tod zweier nur wenige Tage amtierender Vorgänger beriet sich Kaiser Otto III. (983–1002) mit Willigis, bevor seine Wahl auf Burchard fiel. Die Vita vermerkt dazu: „Nach vielfachen Besprechungen schaute der Kaiser zum Fenster hinaus, da sah er den Burchard … Dann bot er ihm das Amt eines Wormser Oberhirten an.“ In Heiligenstadt empfing Burchard die Mitra und wurde 1000 zum Bischof geweiht.
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Burchard treibt als Bischof die städtebauliche und geistliche Erneuerung von Worms voran
Mit dem Bischofsamt verband sich nicht nur die geistliche Leitung eines Sprengels, sondern auch die weltliche Herrschaft über Worms und das Umland. Der „Liber pontificalis“, ein Buch, in dem die Tatenberichte der Bischöfe von Rom bis zum ausgehenden 9. Jahrhundert versammelt sind, widmet in vielen Fällen einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit der Bautätigkeit und der Sorge des jeweiligen Papstes um die Kirchen der Stadt. Auch Burchard sollte sich in dieser Hinsicht als tatkräftig erweisen.
Folgt man der Darstellung der Vita, so kam Burchard, nachdem er zum Bischof gewählt worden war, in eine verwahrloste Stadt. Den elenden Zustand von Worms schilderte seine Lebensbeschreibung in drastischen Worten: „Er fand die Stadt in schlimmem Zustande und fast verödet. Denn nicht als Wohnstätte für Menschen, sondern als Schlupfwinkel für wilde Tiere, besonders Wölfe, war sie geeignet. Die Einebnung des Walles nämlich und der schlechte Zustand der Mauer ermöglichte den Räubern und Raubtieren einen leichten Zugang. Und so berichtet man denn auch, sehr häufig hätten Wölfe vor aller Augen das Vieh verschlungen und hätten die Leute, die sie daran hindern wollten, durch unerschrockene Angriffe frecher Weise in Schrecken gejagt … So sah der Friede, die Sicherheit und der Schutz aus, den die Bürger von Worms in jenen Tagen hatten. Zuletzt verließen gar die Bürger die verödete Stadt, zogen alle außerhalb der Stadtmauer und bauten dort Häuser.“
Unter Burchards Ägide sollten sich diese Zustände ändern. Fünf Jahre lang dauerten die Arbeiten an der Einfriedung der Stadt. Damit war Worms nun auch gegen die wirtschaftliche Konkurrenz der rechts des Rheins liegenden Benediktinerabtei Lorsch besser gewappnet. Auf diese Weise förderte Burchard das Zusammenleben in der Stadt – und er dürfte auch die in Worms wichtig werdende jüdische Gemeinde geschützt haben.
In der Stadt gründete und förderte der neue Bischof vor allem Kollegiatstifte, darunter das Domstift. Dies wies in die Zukunft, denn diese Formen gemeinschaftlichen klerikalen Lebens orientierten sich anders als die Benediktinerabteien, die es zu dieser Zeit in anderen Städten häufig gab, stärker an Aufgaben der Seelsorge.
Burchards Neuorganisation der Stadtherrschaft wird dadurch unterstrichen, dass er die Salierburg im Nordosten der Stadt abreißen ließ und dort ein dem Apostel Paulus gewidmetes Stift errichtete. Die Inschrift unterstreicht vielleicht überspitzt die städtische Freiheit (ob libertatem civitatis). Dies besiegelte den Rückzug der Salier aus der Stadt. Damit gewann das Bistum neue Einflussgebiete. Hinzu trat weiterhin die weibliche Religiosengemeinschaft im südöstlich vor der Stadt gelegenen Nonnen- bzw. Mariamünster.
Der tatkräftige Bischof glänzt als Bauherr des Wormser Doms
1018 wurde die Weihe des neuen dreischiffigen Wormser Domes gefeiert. Bei diesem Fest war Kaiser Heinrich II. (1002–1024) zugegen, den Burchard nicht nur bei seiner Königswahl 1002 unterstützt hatte. Auch danach blieb er mit Willigis von Mainz einer der wichtigsten Parteigänger Heinrichs am mittleren und oberen Rhein. Der westliche Teil des Doms stürzte jedoch bereits zwei Jahre später ein. Burchard ließ daraufhin mit großem Aufwand den Neuaufbau organisieren. Sein Biograph berichtet, dass er sogar die Kapitelle der Säulen und die viereckigen Steinpfeiler vergolden ließ. Noch heute sind Reste dieses Doms unter anderem bei den Untergeschossen der Westtürme und bei den Sockelmauern im südlichen Seitenschiff in dem dann von 1130 bis 1181 neu gestalteten Kirchenbau erkennbar.
Im Westchor dieser Kirche soll Burchard nach seinem Tod beigesetzt worden sein, wie die Vita vermerkt: „Bei seiner Beerdigung waren seine Ministerialen zugegen, ehrwürdige und erlauchte Männer, und trugen seinen Leichnam durch alle Kirchen und brachten ihn zuletzt in den Dom. Dort wurde er von den gesamten Geistlichen ehrwürdig empfangen und unter den üblichen Gebeten bewacht. Am Tage darauf wurde er in der genannten Kirche im Westchore und zwar vor dem Altare des heiligen Laurentius in Ehren bestattet.“
Bauen, gründen und weihen waren allerdings nicht die einzigen Aufgaben eines Bischofs: Recht setzen und regeln gehörten ebenso dazu. Auch auf diesem Feld machte sich der Wormser Bischof verdient: „Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Ich, Burchard, Bischof der Wormser Kirche, habe wegen der unablässigen Klagen der Armen und zahlreicher Nachstellungen durch die Vielen, die wie Hunde die familia des heiligen Petrus in Stücke rissen, indem sie den Menschen unterschiedliche Vorschriften aufzwangen und gerade die Schwächeren durch ihre Urteile in Bedrängnis brachten, mit dem Rat des Klerus, der milites und der ganzen familia befohlen, diese Gesetze aufzuschreiben, damit kein Vogt, kein vicedominus oder ministerialis oder irgendeine andere geschwätzige Person aus ihrem Umfeld in der genannten familia heimlich irgendeine Neuerung einführen kann, sondern dass ein und dasselbe Gesetz für den Reichen und den Armen vor deren Augen schriftlich festgehalten und allen gemeinsam ist.“
Mit diesen Worten beginnt die Einleitung in die „Lex familiae Wormatiensis“. Wann dieses Hofrecht, das auf Burchards Initiative hin entstand, aufgezeichnet wurde, ist umstritten, nicht aber seine Einzigartigkeit. Das Zeugnis wird deshalb von der Forschung immer wieder genutzt. Die auf die Einleitung folgenden Satzungen zeigen, wie das Zusammenleben der bischöflichen familia geregelt werden sollte. Es ging um eine Sicherung des weltlichen Rechts und die Verhinderung von Gewalt.
Wir erhalten schlaglichtartig Einblick in die Schwierigkeiten, die innerhalb von Hörigenverbänden zu Beginn des 11. Jahrhunderts eine Rolle spielten. Zugleich zeigt die Sammlung, wie sehr der Wormser Bischof seinen Besitzkomplex erweitern konnte. Gleichzeitig dokumentieren die Bestimmungen offensichtlich auch gesellschaftliche Neuentwicklungen, auf die das Regelwerk reagierte.
In einem kleinen Kloster entsteht sein wichtigstes Werk
Reformansätze brauchen Ruhe. Einsamkeit und Studium beförderten wohl Burchards wichtigstes Werk: sein kirchenrechtliches Dekret. Wie die herausragende Kirchenrechtssammlung entstanden sein soll, erläutert Burchards Vita: „Zwei Meilen von Worms liegt ein Forst, reich an Tannen, den auf der einen Seite ein schlammiger Sumpf umschließt. In dessen Mitte liegt eine schöne Anhöhe … Und da er [Burchard] den Lärm der Welt meiden wollte, ließ er die Anhöhe einebnen. Dort baute er … ein herrliches kleines Kloster. Dort zog er sich nach Reichstagen, Unterredungen mit dem König, nach den Sorgen der Synoden und nach dem mannigfachen Lärm der Welt zurück. Dort warf er die weltlichen Sorgen hinter sich und mühte sich mit allen seinen Kräften im Dienste Gottes. Zu gleicher Zeit arbeitete er in diesem Klösterlein mit außerordentlichem Eifer an einer Sammlung des kanonischen Rechtes … Er sammelte mit Hilfe des Bischofs von Speyer, Walter, ermuntert und unterstützt vom Probst Brunicho das kanonische Recht in einem Bande; nicht aus eitler Anmaßung, sondern weil, wie er selbst sagte, die kanonischen Rechtssätze und Bußsatzungen in seinem Bistum völlig vernachlässigt und sogar außer Geltung gekommen waren. Diesen Band oder vielmehr Sammlung teilte er sorgfältig nach dem Inhalt in zwanzig Bücher ein.“ Der Ort, von dem hier die Rede ist, ist heute unbekannt, aber er soll „überaus ruhig“ gewesen sein, wie die Vita betont.
Wer heute das umfassende und einflussreiche Dekret Burchards konsultiert, dessen Neuedition momentan in einem Akademieprojekt erarbeitet wird, fragt sich, wie man sich das Sammeln Burchards und seiner Helfer genau vorstellen soll. Welche Hilfsmittel standen zur Verfügung?
Ein kirchliches Rechtsbuch mit praktischer Ausrichtung
Erarbeitet wurde das Dekret etwa zwischen 1012 und 1023. Das „Wormser Skriptorium“ wird momentan untersucht. Wir kennen inzwischen nicht nur verschiedene Handschriften, die noch in Worms unter Burchard entstanden sein dürften, sondern wir wissen auch, dass er vor allem das Sendhandbuch des Regino von Prüm, das dieser Anfang des 10. Jahrhunderts dem Mainzer Erzbischof Hatto (891–
913) gewidmet hatte, als Materialsammlung nutzen konnte. Regino lieferte ein Handbuch für den Bischof, richtete sich darin aber an die einfachen Priester, die das Recht in der Praxis anwenden können sollten. Burchard dachte wohl ähnlich wie Regino vor allem an die Praxis. So bemerkt er in seinem Vorwort, dass er nur das überlieferte Recht gesammelt habe.
Seine Sammlung bietet die Rechtssätze in einer systematischen Form in 20 Büchern. Besonders das 19. Buch mit Frageteilen zu Bußen zeigt die praktische Ausrichtung, etwa wenn es fragt: Wie muss gestraft werden, wenn eine Tötung ohne Absicht erfolgt war? In diesen Fragenteilen ging es zudem auch um das kirchliche Judenrecht, an dessen Anfang Burchard wohl steht.
Die Sonderstellung des 19. Buches ist in jüngerer Zeit in den Fokus der Forschung gerückt, denn hier liegt das besondere Innovationspotential des Dekrets. Durch die Form von Frage und Antwort ließ sich die Behandlung neuer Fälle besser entwickeln, und dies hatte zwei Vorteile: Zum einen konnten neue Argumente leichter eingebracht werden, zum zweiten war dies aber auch didaktisch geschickt. Praxistauglichkeit hängt bis heute daran, ob geeignete Personen Satzungen umsetzen können. Für die Ausbildung der Priester in Rechtsfragen schuf der lange Fragenteil eine gute Voraussetzung.
Anders als das Buch 19 boten die anderen Bücher gegenüber den gesammelten Vorlagen eher kleinere Eingriffe, Änderungen oder Ergänzungen, die das Recht jedoch ebenso praxistauglich gestalten sollten.
Warum aber wurde eine Sammlung wie diejenige Burchards zu Beginn des 11. Jahrhunderts so wichtig? Waren die Zeitläufte einer solchen Sammeltätigkeit günstig? Es gibt einen weiteren Befund: Auf den nordalpinen Synoden des ausgehenden 10. Jahrhunderts wurden kaum noch Canones (Rechtssätze) beschlossen und erlassen. Vielleicht lag dies daran, dass man nun die Sammlungen Reginos und Burchards besaß, um Streitigkeiten beizulegen. Nicht Neues zu beschließen, sondern bisherige Beschlüsse zu sammeln und zu systematisieren, genügte offensichtlich, um die Auseinandersetzungen in der Diözese zu regeln. Entsprechend redete Bischof Eberhard von Konstanz (1030–1046) von einem „höchst notwendigen Buch“.
Nicht nur für die Weiterentwicklung als praxistaugliches Kirchenrecht war Burchards Dekret prägend, sondern auch darüber hinaus. Etwa 77 überlieferte Handschriften belegen dies. Sie waren nicht nur in Bischofsbibliotheken, sondern auch in Klöstern zu finden. Nach heutigem Urteil blieb Burchards systematische Sammlung in ganz Europa mindestens bis zum Dekret Gratians (um 1140) einflussreich, teilweise auch darüber hinaus, insbesondere in den Teilen, die bei Gratian fehlten.
Dazu kam der indirekte Einfluss: Die rund ein Jahrhundert später entstandene Sammlung Gratians basierte vielfach auf dem Dekret Bischof Ivos von Chartres (1090–1115), der die papstorientierten Sammlungen der Zeit Gregors VII. mit dem Material Burchards zusammengeführt hatte. Da das kirchliche Recht bis 1917 im Wesentlichen auf der Rechtssammlung Gratians und weiteren päpstlichen Dekretalen beruhte, blieb auch Burchard weiterhin präsent.
Das Vermächtnis des Wormser Bischofs
Das bereits erwähnte Vorwort zum Wormser Hofrecht würdigt Burchard mit folgenden Worten: „Wie dieser sich in seinem Bischofsamt bewährt hat, braucht man nicht mehr mit Worten zu erklären, da der Ruhm seiner Tugenden überall auf der Welt anerkannt ist durch das Zeugnis seiner Taten … Das bezeugen Klerus und Volk, erzogen in väterlicher Liebe, das bezeugt die Stadt, verschönert und erweitert, das bezeugt das gesamte Bistum, beschenkt mit Gütern und reichhaltigen Besitzungen, das bezeugen die geistlichen Gemeinschaften dieser Kirche, die er selbst heruntergekommen vorfand, großzügig durch Schenkungen erweiterte oder neu einrichtete. Das Corpus canonum trug er mit viel Mühe zusammen und verlieh ihm die einheitliche Gestalt einer Sammlung rechtschaffener Worte. Ein besonderes Gesetz gab er … der familia des heiligen Petrus und hinterließ, um es kurz zusammenzufassen, glücklich die Wormser Kirche in mittäglichem Glanze in all ihren Gütern strahlend. Dann fand er dreizehn Tage vor den Kalenden des September [am 20. August] seinen Platz im Frieden und wurde nahe beim heiligen Laurentius begraben“.
Diese Worte deuten an: Mit Burchard von Worms verbindet sich mehr als das Kirchenrecht. Er ist die Verkörperung eines tatkräftigen Bischofs zu Beginn des 11. Jahrhunderts. Das ähnliche Modell eines solchen Bischofs war schon knapp 200 Jahre zuvor im Karolingerreich immer wieder diskutiert worden, beispielsweise auf der Synode von Paris 829, und man hat es sogar als „Pariser Modell“ bezeichnet. Es betraf das Zusammenwirken von Kaiser, Bischöfen und Volk. Aber trotz aller Zusammenarbeit mit König und Reich, wirkte Burchard auch jenseits des Königshofs als Diözesanbischof und trug so zu einer „Episkopalisierung der Kirche“ bei.
Macht man sich klar, in welch vielfältiger Weise Burchard den hiermit verbundenen Anliegen genügte, so wird zugleich deutlich, dass der große Aufbruch, den wir verstärkt seit der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts feststellen können, auf diesen Vorarbeiten aufbauen konnte. Dabei spielte es kaum eine Rolle, ob es Fragen von Kirchenreform, von neuen gemeinschaftlichen Lebensformen, von gesellschaftlichem Zusammenhalt oder von Stadtentwicklung und Stadtgesellschaften betraf. In Worms hat man das immer wieder hervorgehoben; nicht zuletzt, indem man ihn wie einen Heiligen betrachtete, besonders nach den Auseinandersetzungen der Reformation.
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