Im Sommer des Jahres 1208 brach Kardinal Hugo, Bischof von Ostia und Velletri, zum zweiten Mal nach Deutschland auf. Bereits im Vorjahr hatte ihn Papst Innozenz III. über die Alpen geschickt, um die Möglichkeiten eines Friedensschlusses zu sondieren: 1198 waren der Staufer Philipp und der Welfe Otto zum deutschen König gewählt worden; seit fast einem Jahrzehnt tobte der Kampf zwischen beiden Seiten und verwüstete die Landschaften wie die politischen Sitten. Nun schien sich der Staufer durchsetzen zu können. Der Papst, der sich zunächst auf die Seite des Welfen gestellt hatte, wurde als Friedensvermittler aktiv.
Als Hugo am 30. Juni 1208 Mantua erreichte, schwirrte die Stadt plötzlich von Gerüchten: König Philipp sollte einem Mord zum Opfer gefallen sein! In fieberhafter Eile zog der Kardinal die erreichbaren Informationen ein: Kaufleute aus Piacenza, Reisende, Pilger – von allen ließ er sich erzählen, was sie ihrerseits vom Hörensagen wussten. Ein Eilbote wurde nach Trient geschickt, ein anderer kam gerade (auf dem Weg nach Rom) aus Bamberg … Langsam fügten sich die Nachrichten zu einem Bild: Philipp hatte sich am 21. Juni gegen drei Uhr nachmittags im Palast des Bischofs von Bamberg zur Ruhe gelegt, als der Pfalzgraf Otto von Wittelsbach an die Kammertür klopfte. Weil er ein Vertrauter des Königs war, wurde er wie üblich vorgelassen. Als Philipp von ihm, wie gewohnt, scherzende Worte erwartete, zog jener sein Schwert und antwortete, als ihm der Staufer verbot, damit Kunststücke vorzuführen: „Dies soll auch kein Spiel für dich sein!“ Mit einem einzigen Streich tötete er den König. Kardinal Hugo informierte umgehend den Papst und kehrte, weil seine Mission „durch den Willen Gottes hinfällig“ geworden sei, nach Rom zurück.
Philipp war zum Zeitpunkt seiner Ermordung wohl 31 Jahre alt – sein Geburtsjahr ist nicht überliefert. Will man dem zeitgenössischen Chronisten Burchard von Ursberg glauben, war er von sanftmütigem Wesen und mildem Sinn; dass er zudem von zierlicher Gestalt war, bestätigte die Untersuchung seiner Gebeine, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ungestört in einem Bleisarg im Dom zu Speyer geruht hatten. Oft zitiert ist Walther von der Vogelweide, der den König als „ jungen süezen man“ bezeichnete, seine Gemahlin Irene-Maria, eine Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak II. Angelos, mit der er seit 1197 verheiratet war, als „Rose ohne Dorn, Taube ohne Galle“.
Philipp hatte eigentlich nie Aussicht auf den Thron des deutschen Königs gehabt: Als jüngster Sohn Kaiser Friedrich Barbarossas war er ursprünglich für eine geistliche Laufbahn bestimmt worden. Seine Kindheit, über die fast nichts bekannt ist, verbrachte er wohl größtenteils in der Kaiserpfalz Hagenau im Elsass; um 1188 dürfte er in dem nicht weit vom Hohenstaufen gelegenen Prämonstratenserstift Adelberg unterrichtet worden sein; schon 1191 wurde er – damals etwa 14-jährig – zum Bischof von Würzburg gewählt, kirchenrechtlich gesehen ein Unding. Wenig später nahm Philipps Leben unter dem Einfluss seines älteren Bruders Heinrich VI., der die Nachfolge des 1190 auf dem Kreuzzug verstorbenen Kaisers angetreten hatte, eine entscheidende Wende…





