In einem Zeitalter der politischen, gesellschaftlichen und religiösen Spaltung erscheint das Vorgehen der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg nach der Reformation überraschend: Johann III. und Wilhelm V. versuchten den Weg der konfessionellen Neutralität zu gehen. In ihren Territorien fanden sich sowohl katholisch geprägte, als auch lutherische oder reformierte Landesteile, die friedlich nebeneinander lebten. In der Ausstellung können Besucher mehr über diesen und weitere Aspekte der Konfessions- und Religionsgeschichte an Ruhr und Rhein in Erfahrung bringen.
Ohne Luther
Dass eine Ausstellung zum konfessionellen Zeitalter auch ohne den großen Reformator aus Wittenberg auskommen kann, möchten die Initiatoren des Projekts unter Beweis stellen: Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern werden im früheren Kohle-Sortierlager der Zeche Zollverein rund 800 Exponate von 250 Leihgebern gezeigt. Unter den Ausstellungsexponaten stechen Ikonen des Essener Domschatzes, die Kanzel einer muslimisch-arabischen Gemeinde in Bochum oder auch großformatige Ölgemälde aus der Frühen Neuzeit aus Bonn und Utrecht hervor.
Die Gliederung der Ausstellung
Zehn chronologische Abteilungen führen durch die Religionsgeschichte Nordrhein-Westfalens. Behandelt wird nicht nur die schon angeführte Neutralitätspolitik der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg, sondern unter anderem auch die Entwicklung der Reformation in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets bis in die Gegenwart, etwa Dortmund und Essen, sowie das gespannte Verhältnis zwischen rheinischen Katholiken und dem protestantisch geprägten preußischen Staat nach 1815. Ergänzt werden die Abteilungen durch zehn weitere Themenstationen, die zentrale Themen im Vergleich der unterschiedlichen Religionen vertiefen, wie etwa Feste und Rituale oder Häuser des Gebets. Mit einem Blick auf die heutige religiöse Vielfalt des Ruhrgebiets endet die Ausstellung schließlich.
Ein Zentrum des Humanismus
Für Johann III. und Wilhelm V. lohnte sich indessen der Drahtseilakt zwischen den Konfessionen: Zwar sorgte der in Jülich-Kleve-Berg gelebte Mittelweg des Öfteren für Verwirrung in der Politik, aber gleichzeitig kamen viele Gelehrte an den Hof der Herzöge in Düsseldorf, um hier zu lehren, zu forschen und sich mit anderen Gebildeten auszutauschen. Unter dem Schutz der Herzöge konnten die Humanisten frei ihren Ideen nachgehen, ohne sich für eine der Konfessionen entscheiden zu müssen und gegebenenfalls für die falsche Wahl verfolgt zu werden. Doch auch dieses Refugium bestand nur für wenige Jahrzehnte, als nach einem Schlaganfall Wilhelms die katholischen Kräfte im Herzogtum die Oberhand gewannen.





