“Celts – Art and Identity” lautet der Titel der noch bis zum 31. Januar im Londoner British Museum laufenden Ausstellung. Und dieser Name ist durchaus Programm. Denn wie die Kuratoren erklären, ist dies die erste große Ausstellung, die die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen keltischen Völker und ihre rund 2500 Jahre dauernde Geschichte in dieser Fülle und Vielfalt erkundet.
Eine ganz andere Weltsicht
Denn wie man heute weiß, gab es “die Kelten” als ein einheitliches Volk nicht. Stattdessen existierten in dem gewaltigen Gebiet zwischen Atlantik und Schwarzem Meer verschiedene Völker und Gemeinschaften, die eine ähnliche Sprache, Kunst und ähnliche Glaubenssätze besaßen. “Der Begriff keltisch verbindet eine ganze Reihe von Momenten in der Geschichte Westeuropas, in denen bestimmte Gemeinschaften Kunst und Objekte schufen, die eine andere Weltsicht als die mediterranen Kulturen reflektierten”, erklärt Neil MacGregor, Direktor des British Museum.
Mit dem Sammelnamen “Kelten” bezeichneten die Griechen schon um 500 v. Chr. die Völker, die nördlich der Alpen lebten. Ihnen erschien die schriftlose Kultur dieser Menschen barbarisch-primitiv und weit entfernt von ihrer zivilisierten mediterranen Kultur. Doch archäologische Ausgrabungen und Fundstücke aus verschiedenen Teilen Europas belegen, dass die Kelten zwar eine ganz andere Kultur besaßen als die von der klassischen Antike geprägten Zivilisationen. Ihre künstlerischen und technischen Errungenschaften können sich aber durchaus mit denen ihrer griechischen und römischen Zeitgenossen messen.
Faszinierende Vielfalt
Die Londoner Ausstellung hat keltische Fundstücke aus Ländern ganz Europas zusammengetragen, darunter einige noch nie zuvor in Großbritannien gezeigte Exponate. So ähneln zwei Bronzegefäße aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. mit ihren zierlichen Henkeln und der geschwungenen Form fast schon chinesischer Kunst oder etruskischen Bronzegefäßen. Einige in Frankreich ausgegrabene Vasen sind mit fast abstrakten Formen und Figuren bemalt und erinnern eher an kretische Keramik als an die prototypischen Keltenmuster. Ein weiteres Highlight sind keltische Nackenspangen aus verschiedenen Zeiten. Diese ringförmigen Schmuckstücke aus Metall spiegeln in ihrer Gestaltung die vielfältigen Einflüsse benachbarter Kulturen auf die Kelten wider.
Eines der Prachtstücke der Ausstellung ist der Gundestrup-Kessel, ein silbernes Gefäß aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, das in einem Torfmoor in Dänemark entdeckt wurde. Auf seiner Außenseite sind die ausdrucksstarken Gesichter männlicher und weiblicher Gottheiten zu sehen, die von mystischen Tieren und kleineren Menschenfiguren umrahmt sind. Auf der Innenseite findet sich ein weiteres Gewirr von fantastischen Tieren, Kriegern und Götterfiguren. Die verwirrende Vielfalt der Figuren sorgt selbst bei Historikern für Rätselraten. Denn ob das Gefäß “typisch keltisch” ist oder vielleicht doch von Thrakern inspiriert, bleibt bisher unklar.





