Wenn Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) aus seinen Gemächern in Schloss Hof blickte, bot sich ihm ein prächtiges Panorama: Im Vordergrund erstreckte sich einer der schönsten barocken Gärten Mitteleuropas mit kunstvollen Broderie-Beeten, Skulpturen, Bassins und Pavillons. Nebenan reflektierten die Glasfronten der Orangerie die Strahlen der aufsteigenden Sonne. Die Ausläufer der Karpaten begrenzten sein Sichtfeld im Osten, wo Prinz Eugen seinen Ruhm als Feldherr begründet hatte. Dem legendären „Türkenbezwinger“ und später Kaiserin Maria Theresia diente das größte der Marchfeld-Schlösser als Bühne barocker Prachtentfaltung. Nun, nach einem 200 Jahre währenden Dornröschenschlaf, wird die 60 Kilometer östlich von Wien gelegene Anlage mit neuem Leben erfüllt.
Mit dem Erwerb der „Herrschaft Hoff an der March“ und ihrem Ausbau erfüllte sich Prinz Eugen seinen langgehegten Traum vom tusculum rurale, einem Rückzugsort auf dem Land. Von 1725 bis 1729 entstand unter der Regie von Johann Lucas von Hildebrandt ein barockes Gesamtkunstwerk, das herrschaftliche Architektur, meisterhaft gestaltete Natur und erlesenes Interieur stimmig zusammenführte. Schloss Hof unterstrich Macht, Ansehen und Reichtum des Prinzen im Habsburger-Reich und wies ihn überdies als Liebhaber der Künste und des guten Geschmacks aus.
1755 erwarb Kaiserin Maria Theresia (17401780) den Besitz und machte ihn zu ihrer Sommerresidenz. Bereits ihre Nachfolger schenkten Schloss Hof jedoch keine Beachtung mehr. Die Brunnen versiegten, venezianische Lüster, holländische Möbel und der Rest der kostbaren Inneneinrichtung kamen nach Wien. Als das Schloss 1898 der k. u. k. Armee als Ausbildungsstätte übergeben wurde, war der imperiale Glanz endgültig dahin.
Im Jahr 2002 stellten die Republik Österreich und das Land Niederösterreich die Mittel für einen Neubeginn bereit. Als besonders aufwendig erweist sich die Wiederherstellung des von Anton Zinner sowie Lucas von Hildebrandt gestalteten Barockgartens. Seine „Blaupause“ hatte zwar unter der Erdoberfläche überdauert, doch erst gartenarchäologische Grabungen sowie das Studium alter Pläne und dreier Gemälde, die der Venezianer Bernardo Bellotto (bekannt als Canaletto) im Jahr 1760 von Schloss Hof angefertigt hatte, lieferten die Grundlagen für eine originalgetreue Rekonstruktion. Einige der sieben zum Ufer der March hin absteigenden Terrassen sind heute wieder bepflanzt und laden zum Lustwandeln ein. Wie ein orientalischer Teppich entfaltet sich die ornamentale Pracht von Zehntausenden Blumen und zurechtgetrimmten Buchsbäumen vor dem Betrachter. Bepflanzung, Einfassung und Linienführung der Barockbeete orientieren sich am historischen Vorbild. Von den sechs Brunnenanlagen entlang der zentralen Mittelachse sind bisher drei instand gesetzt worden…





