Wie so häufig standen auch im aktuellen Fall geplante Bauarbeiten am Anfang der Fundgeschichte: Da Bodendenkmäler im Bereich des Johannisstifts im Zentrum Paderborns vermutet wurden, war eine archäologische Sondierung vor dem Baubeginn nötig. Das Team wurde tatsächlich fündig: Es legte zunächst die Fundamente eines preußischen Lazaretts frei und stieß dann auch auf frühmittelalterliche Spuren aus dem 7. und 8. Jahrhundert. „Doch die besondere Überraschung erwartete uns dann am letzten Tag der Ausgrabungen“, berichtet Grabungsleiter Robert Süße von der archäologischen Fachfirma EggensteinExca GmbH, die die Arbeiten durchgeführt hat.
“In einer unscheinbaren Grube in etwa 1,60 Meter Tiefe konnten wir eine muldenförmig gelagerte Anhäufung von Holzkohle und Asche bergen, auf der die Skelettreste eines Ebers platziert waren”, berichtet Süße. Der nördliche Rand dieser Grube war in unregelmäßigen Abständen mit verkohlten, hölzernen Staken versehen, stellte das Team fest. “Wir deuten sie als Überreste eines Holzeinbaus, der die Grubenwand stabilisieren sollte. Diese Art der Stabilisierung ist uns von einfachen Schöpfbrunnen bekannt”, erklärt Süße.
Antike Überraschungsfunde
Den Höhepunkt bildete dann der Fund von großen Scherben in der Grube, die von vier römischen Amphoren zu stammen schienen. “Solche Transportgefäße wurden in Paderborn bisher noch nicht gefunden. Daher wussten wir die Keramikfunde auch nicht exakt zu datieren,” sagt Süße. Deshalb wandte sich das Team an Bettina Tremmel vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Sie ist eine Expertin für Römer in Westfalen und widmet sich vor allem der Erforschung der einstigen römischen Militärstandorte entlang des Flusses Lippe. Sie dienten der Sicherung der Region, bis sich die Römer im Laufe des ersten Jahrhunderts schließlich wieder hinter den Rhein zurückzogen.
Nach der Begutachtung der Scherben kam Tremmel zu dem Schluss: Es handelt sich um Fragmente von römischen Wein-Amphoren aus der Zeit vor etwa 2000 Jahren. “Vergleichsfunde, wie wir sie aus den Römerlagern in Haltern am See oder in Bergkamen-Oberaden kennen, zeigen, dass es sich bei den Funden in Paderborn um die Fragmente von besonderen Transportgefäßen handelt. In ihnen wurde erstklassiger Falerner Wein aus Mittelitalien und aus der Ägäis importiert”, sagt die Expertin.
Vermutlich ein Wachturm
Doch wie kamen die Amphoren ins heutige Paderborn und wer hat den Wein getrunken? Es wurden zwar schon zuvor römische Funde im Bereich der Stadt entdeckt. Doch da sie deutlich junger sind, werden sie als Handels- oder Beutegut in germanischem Kontext gedeutet. Hinweise auf eine militärische Präsenz der Römer während der ostrheinischen Besatzungszeit gab es in Paderborn bisher hingegen nicht. Doch die aktuellen Funde lassen dies nun vermuten: “Der mutmaßliche Brunnen und die Amphorenreste sprechen für eine Nutzung durch römische Legionäre – möglicherweise einen Wachtposten,” so Tremmel.





