Nach der Eroberung Britanniens unter dem römischen Kaiser Claudius im Jahr 43 standen England und Wales rund vier Jahrhunderte lang unter römischer Herrschaft. In dieser Zeit gründeten die Römer neue Städte, errichten Straßen und prägten durch ihren kulturellen Einfluss das Leben auch der ursprünglichen Bevölkerung. Es ist daher nicht ungewöhnlich, bei Ausgrabungen auf Reste römischer Gebäude, Straßen oder auch Friedhöfe zu stoßen.
Friedhof mit zentralem Steinsarkophag und Gipsbestattung
Doch bei Ausgrabungen im Rahmen eines Straßenausbaus haben Archäologen nun einen besonderen Fund gemacht. Die Untersuchung wurde vorgenommen, weil die A47 zwischen dem kleinen Ort Wansford und der Stadt Sutton in Ostengland teilweise parallel zu einer alten Römerstraße verläuft. Daher bestand der Verdacht, dass es in diesem Gebiet noch weitere unentdeckte Römerrelikte geben könnte. Tatsächlich hat das Team von Headland Archeology nun nahe dieser Römerstraße einen kleinen Friedhof aus spätrömischer Zeit entdeckt. Er ist von einem Graben umsäumt und umfasst im Innenbereich 14 Gräber, außerhalb des Grabens noch einmal sieben Grabstätten.
Eine erste Überraschung zeigte sich, als das Team das zentrale Grab des Friedhofs freilegte. Wie sich zeigte, bestand dieses aus einem Steinsarkophag, der aus einem massivem Kalksteinblock gemeißelt war. Er wiegt mehr als 700 Kilogramm. “Der Sarkophag ist eine faszinierende Entdeckung und für diese Region ziemlich einzigartig”, sagt Projektleiter David Harrison von Headland Archaeology. Dies gilt auch für den Inhalt: Der Tote im Inneren wurde bei seiner Bestattung mit flüssigem Gips übergossen, der erstarrte und eine feste Gipshülle bildete. Reste dieser Hülle sind neben und auf den Knochen des Toten noch erhalten. Wie die Archäologen erklären, sind solche Gräber in England bisher nur aus den urbanen Zentren des römischen Britannien bekannt. Der Fund im ländlichen Raum ist daher eine Rarität.

Wer war der hochrangige Tote?
Der Steinsarkophag, die zentrale Position des Grabes und die Gipsbestattung legen nahe, dass es sich bei dem Toten um eine hochrangige Persönlichkeit gehandelt haben muss, wie Harrison und seine Kollegen erklären. Denn der Gips für die Bestattung war damals teuer und der Kalkstein für den Sarkophag stammte aus einem rund 50 Kilometer entfernten Steinbruch, zudem war der Sarkophag sehr sorgfältig gemeißelt. Zwar lagen keine Grabbeigaben im Sarkophag, aber in der umgebenden Grube wurden Leder- und Keramikreste, Tierknochen und ein Glasgefäß gefunden. “Dieses Glasgefäß könnte ein Trankopfer für den Toten enthalten haben, bevor es in die Grube gelegt wurde”, erklärt das Team von Headland Archaeology.





