Im Römischen Reich wurden Tote in der Regel verbrannt. Solche Feuerbestattungen waren im römischen Europa bis ins 3. Jahrhundert üblich, entsprechend selten sind daher römische Gräber mit intakten Körpern aus dieser Zeit. Eine Ausnahme bildeten allerdings Notsituationen, beispielsweise bei Seuchen oder in Kriegen. Denn dann starben so viele Menschen auf einmal, dass Zeit und Ressourcen für die Feuerbestattungen nicht ausreichten.

Gebeine von mindestens 150 Soldaten
Einen solchen seltenen Fall hat nun ein Team der Stadtarchäologie Wien im Wiener Stadtteil Simmering entdeckt. Dort stießen Bauarbeiter bei der Sanierung eines Sportplatzes auf menschliche Knochen und benachrichtigten das österreichische Bundesdenkmalamt. Daraufhin begannen die Archäologen mit einer Ausgrabung, in deren Verlauf sie eine rund 4,50 mal 5 Meter große Grube mit zahlreichen Skeletten freilegten. Die Knochen belegen, dass hier mindestens 150 Menschen bestattet worden sein müssen. „Die Individuen waren ohne erkennbare Ordnung oder Ausrichtung bestattet“, berichtet das Wien Museum. „Die Gliedmaßen waren mit denen anderer Individuen verschränkt. Dies deutet auf eine hastige Bedeckung der Toten mit Erde, also keine geregelte Bestattung, hin.“
Dies legt nahe, dass diese Toten eher hastig in einem Massengrab verscharrt worden sind, wie die Archäologen berichten. Auffallend auch: Bei den Toten handelt es ausschließlich um Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren. Alle bisher untersuchten Skelette weisen zudem Verletzungen durch stumpfe und scharfe Waffen auf, darunter Wunden durch Lanzen, Dolche und Schwerter, aber auch durch Eisenbolzen von Schusswaffen. „Aus der Anordnung der Skelette und da es sich um rein männliche Überreste handelt, kann ausgeschlossen werden, dass der Fundort in Verbindung mit einer Hinrichtungsstätte oder dergleichen steht oder dass eine Seuche die Todesursache war“, heißt es in der Mitteilung des Wien Museums. „Die Verletzungen an den Knochen sind eindeutig auf Kampfhandlungen zurückzuführen.“






