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Ein römisches Mithras-Heiligtum in Regensburg
Geschichte & Archäologie

Ein römisches Mithras-Heiligtum in Regensburg

Außergewöhnlicher Archäologie-Fund: In Regensburg haben Archäologen die Überreste eines römischen Mithras-Tempels entdeckt. Dieses Heiligtum des noch immer geheimnisvollen Mysterienkults stammt vom Beginn des zweiten Jahrhunderts und ist damit das älteste bekannte Mithräum Bayerns – und der bedeutendste Fund der…
Autor
Nadja Podbregar
17. Februar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Geschichte & Archäologie

Ab dem ersten Jahrhundert breitete sich im Römischen Reich und vor allem in seinen Grenzgebieten ein neuer Kult aus. Im Zentrum dieses Mysterienkults stand der Gott Mithras, der als Herrscher auch über die Sonne galt. Die Rituale des Mithraismus waren jedoch geheim und die nur männlichen Eingeweihten wurden zu Stillschweigen verpflichtet – ähnlich wie heute in manchen Freimaurer-Logen. Aus Abbildungen in den Mithras-Heiligtümern und aus Berichten römischer Chronisten, die selbst keine Kultmitglieder waren, lässt sich jedoch schließen, dass zur Verehrung des Gottes Mithras auch rituelle Gelage gehörten. Diese fanden in den als Mithräen bezeichneten Heiligtümern statt, die meist in Kellern und unterirdischen Gewölben lagen. In Süddeutschland wurden bereits mehrere Mithräen gefunden.

Weihestein
Fragment eines Weihesteins aus dem römischen Mithräum mit Inschrift. © Museen der Stadt Regensburg

Reste eines römischen Mithräums in der Altstadt

Jetzt haben Archäologen in Regensburg das älteste Mithras-Heiligtum Bayerns entdeckt – durch Zufall. Denn die Ausgrabung in der Altstadt von Regensburg war eine vor Beginn von Bauarbeiten übliche Routine, im aktuellen Fall sollten die Archäologen unter Leitung Sabine Watzlawik von der ArchäoTeam GmbH sicherstellen, dass beim Neubau mehrerer neuer Mehrfamilienhäuser keine historischen Artefakte zerstört werden. Tatsächlich legten die Grabungen Siedlungsspuren aus der Frühgeschichte, der Römerzeit und dem Mittelalter frei – dies war durchaus zu erwarten.

Doch als die Archäologen ihre Funde näher analysierten, zeigte sich Überraschendes: Die Artefakte aus römischer Zeit legten nahe, dass sich an dieser Stelle ein Mithras-Tempel befunden haben muss. Das Heiligtum selbst war offenbar größtenteils aus Holz errichtet, daher ist von den Wänden kaum mehr etwas erhalten. Hinweise auf das Mithräum lieferten aber mehreren Votivbleche sowie die Beschläge eines Schreins. Das Team entdeckte zudem ein Fragment eines Weihesteins mit Inschrift, die jedoch stark erodiert und daher nicht mehr entzifferbar ist. Noch aussagekräftiger waren die Scherben eines Keramik-Topfes mit Verzierungen in Schlangenform sowie Räucherkelche und Henkelkrüge. Solche Gefäße waren typisch für den Mithras-Kult und seine rituellen Gelage, wie die Archäologen erklären.

Enge Verbindung zum römischen Limes-Kastell

Die Frage, wann dieses Mithras-Heiligtum gebaut und genutzt wurde, beantworteten mehrere in dem Areal entdeckte römische Münzen. Diese stammten aus der Zeit des Kaisers Hadrian, der von 117 bis 138 regierte. Die Archäologen vermuten daher, dass das Mithräum zu einem Kastell gehörte, das im südlichen Teil des heutigen Regensburg lag. Das Kohortenkastell Kumpfmühl war im Römischen Reich Teil der Militärstützpunkte entlang des Donaulimes. Die zeitliche Einordnung des jetzt entdeckten Mithräums passt zu dem von 80 bis 171 existierenden Kastell und auch zur Verbreitung des Mithras-Kultus im römischen Reich, der seinen Höhepunkt Ende des zweiten Jahrhunderts erreichte.

Die Entdeckung des Mithras-Heiligtums in Regensburg sei eine der der wichtigsten Neuentdeckungen zum römischen Regensburg in den letzten zehn Jahren, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Regensburg. „Der Fund ist gleich zweifach singulär: Zum einen ist das Regensburger Mithräum das erste Heiligtum aus römischer Zeit, das überhaupt in der Altstadt identifiziert wurde“, sagt Maximilian Ontrup, Experte für provinzialrömische Archäologie bei den Museen der Stadt Regensburg. „Und überregional ist es das älteste von insgesamt neun, die in Bayern bisher entdeckt worden sind.“

Das Regensburger Mithräum und sein Inventar liefern nun weitere Einblicke und Erkenntnisse zum noch immer rätselhaften Mithras-Kult und seinen Ritualen. Im Rahmen einer Kooperation zwischen der Stadt Regensburg und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege werden die Funde aus dem Mithräum nun weiter untersucht und sollen dann im Museum der Stadt Regensburg ausgestellt werden. „Wir werden die zunächst unspektakulär erscheinenden Fundstücke kontextualisieren, visualisieren und dadurch zum Sprechen bringen“, sagt Museumsleiter Sebastian Karnatz „Der Aufwand wird sich lohnen: Die Funde aus dem Mithräum werden das Bild vom römischen Regensburg um eine wesentliche Facette bereichern.“

Quelle: Stadt Regensburg

Mithräum

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