Der aus Stuttgart stammende Gelehrte, Forschungsreisende und Maler arbeitete nach dem Studium der Theologie und orientalischen Sprachen an der Universität Tübingen als Bibliothekar. 1871 wechselte er an die neue Kaiserliche Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg, zu deren Direktor er 1900 ernannt wurde. Er war außerdem als Honorarprofessor für semitische Sprachen an der dortigen Universität tätig. Das besondere Interesse Eutings galt der Erforschung von Inschriften. Orientforscher verdanken ihm unter anderem eine Schrifttabelle, mit deren Hilfe man verschiedene semitische Sprachen, wie Hebräisch oder Arabisch, vergleichen konnte.
Euting, der zahlreiche Sprachen beherrschte, bereiste zu Forschungszwecken das östliche Mittelmeergebiet, Nordafrika und 1883/84 das Innere Arabiens. Sein „Tagbuch einer Reise in Inner-Arabien“ wurde publiziert und fand damals in Fachkreisen große Aufmerksamkeit. Es enthält zahlreiche Skizzen und Zeichnungen, die Euting auf seinen Reisen anfertigte. Seine Zeichnungen und einige Aquarellbilder in der Ausstellung lassen erkennen, dass Euting auch ein guter Maler war.
Im Zentrum der Ausstellung steht die “Sammlung Euting”, die der Forscher ein Jahr vor seinem Tod dem Linden-Museum in Stuttgart geschenkt hat. Etwa zwei Drittel der über 400 Sammlungsstücke wurde im Krieg zerstört oder gingen verloren. Die aktuelle Sonderausstellung setzt sich zusammen aus Exponaten verschiedener Archive in Tübingen, Freudenstadt sowie Straßburg und der Euting-Gesellschaft, die 2004 von der Familie und Euting-Interessierten gegründet wurde. Eutings intensive Sammelleidenschaft entstand aus wissenschaftlicher Motivation heraus. Die mitgebrachten Gegenstände sollten den Zuhausegebliebenen als Anschauungsobjekte der Alltagskultur der bereisten Gebiete dienen. In der Sonderschau sind neben verschiedenen Schmuckstücken auch Serviertabletts und ein Hautkratzer in Form eines Krokodils zu sehen. Ein besonderes imposantes Ausstellungsstück ist ein prachtvoll verzierter Kamelsattel, an dem viele Reisebeutel und eine Säbeltasche hängen.
Mitgebrachte Wasserpfeifen und Kannen zur Zubereitung von Kaffee zeugen aber auch davon, dass Euting auf einige exotische Gewohnheiten zuhause in Straßburg nicht verzichten wollte.
Obwohl er in ferne Länder gereist war, verlor Euting nie den Bezug zu seiner Heimat. Im Schwarzwald erschloss er einige Wanderwege und fertigte Wanderkarten an. Da er viel für die Region tat, erfüllte man ihm auch seinen letzten Willen: Seine Urne wurde oberhalb des Wildsees beim Ruhestein im Nordschwarzwald beigesetzt.
Seit zehn Jahren schenkt die Euting-Gesellschaft am 11. Juli, dem Geburtstag des Orientforschers, türkischen Mokka-Kaffee am Euting-Grab aus. So hatte es sich der Forscher in seinem Testament gewünscht.





