Schon während seiner Studienzeit an der Münchner Akademie der Bildenden Künste fand Karl Wilhelm Diefenbach einen ersten Zugang zu reformerischen Ideen. Da er an einer Typhuserkrankung litt, stellte er seine Ernährung um. Er lehnte den Konsum von Alkohol sowie Tabakwaren ab und verzichtete auf den „Verzehr von Tierfetzen“. Angeregt von einem spirituellen Erweckungserlebnis nahm Diefenbach weitere Reformen an seiner Lebensführung vor. Allen körperlichen Zwängen sagte er den Kampf an. Dabei vertrat er Ideen der „freien Liebe“ sowie des Badens mit nacktem Körper.
Diefenbach lebte seine Heilslehre nicht nur aus, sondern vertrat sie auch öffentlich. Mit langen Haaren und nur mit Kutte und Sandalen bekleidet, predigte er unentwegt von seinem „naturgemäßen Lebenswandel“. Während er in der Öffentlichkeit häufig als „Kohlrabi- Apostel“ verspottet wurde, nahm er auf seine Jünger wie etwa den Maler František Kupka großen Einfluss und wurde ein entscheidender Vorreiter der Lebensreform- Bewegung, die um 1900 in Europa aufkam.





