Als der Lindauer Arzt Jacob Hermann Obereit am 29. Juni 1755 in der Bibliothek der Grafen von Hohenems stöberte, stieß er schon nach kurzer Zeit auf eine Handschrift, die sein Interesse weckte. Mehr noch, so ahnte er, würde der Codex, den er in den Händen hielt, seinen Freund Johann Jakob Bodmer interessieren, der als Geschichtsprofessor in Zürich lehrte und sich mit alten Handschriften beschäftigte.
In einem Brief berichtete er ihm von seiner Entdeckung: „Eben gestern habe ich unvermutete Gelegenheit bekommen, eine kurze Reise ins vorarlbergische Hohen-Ems zu machen, woselbst heute unter anderem die Bibliothek in Augenschein genommen, und so glücklich gewesen, daß ich fast unter den ersten Büchern, so in die Hände bekommen, zwei alte eingebundene pergamentene Codices von altschwäbischen Gedichten gefunden, darvon der einte sehr schön deutlich geschrieben, einen mittelmäßig dicken Quartband ausmacht, und ein aneinanderhängend weitläuftig Heldengedichte zu enthalten scheint, von der burgondischen Königin oder Princessin Chriemhild, der Titel aber ist Adventure von den Gibelungen“.





