Seeschlacht von Salamis: Ein überhöhter Sieg - wissenschaft.de | DAMALS
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Ein überhöhter Sieg
Athen war gegen den persischen Ansturm nicht zu verteidigen. Doch die inzwischen geeinten Hellenen gaben nicht auf und siegten in der Seeschlacht von Salamis. Damit war der Krieg aber noch nicht zu Ende.
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Im April 480 v. Chr. hatte Xerxes den Hellespont überschritten. Die Perser hatten Nahrungsmitteldepots entlang der Nordküste der Ägäis angelegt, waren durch Thrakien gezogen und standen jetzt in Makedonien, am Eingangstor zu Griechenland. Ein griechisches Kontingent bezog unter Führung von Themistokles und dem spartanischen Heerführer Euenetes Position im Tempetal in Thessalien, um die Perser in der engen Schlucht aufzuhalten. Der makedonische König Alexander I. warnte die Verbündeten jedoch: Das Heer der Perser sei riesig und der Engpass leicht zu umgehen. Die griechische Streitmacht zog sich daraufhin zurück.
Als Plan B schlug Themistokles eine Doppelstrategie vor: Man solle versuchen, das persische Landheer am Pass der Thermopylen weiter südlich in Thessalien abzufangen. Zugleich solle die verbündete Flotte die Meerenge beim Kap Artemision an der Nordspitze von Euböa sperren, um den Vormarsch der Perser zur See zu stoppen. Die Bundesversammlung ratifizierte diesen Plan. Trotzdem begannen die Athener damit, die Schwächsten aus Athen zu evakuieren. Und die Städte auf der Peloponnes bereiteten die Verteidigung der Halbinsel am Isthmus von Korinth vor.
Im Sommer 480 v. Chr. bezog der spartanische König Leonidas mit der Veteranenelite aus 300 Spartiaten, ergänzt durch Kontingente der Verbündeten, insgesamt rund 7000 Mann, Stellung an den Thermopylen. Der Pass war ideal für die Strategie der Griechen: Die Hopliten konnten hier ihre Phalanx zur Entfaltung bringen, aber das ungleich größere Heer der Perser musste tief gestaffelt angreifen. Zwei volle Tage widerstanden die Griechen der Attacke.
Die Heldentat der 300 an den Thermopylen
Am dritten Tag starteten die Perser ein Umfassungsmanöver. Leonidas entließ den Großteil von dem, was von seinem Heer noch übrig war, und stürzte sich mit den 300 Spartiaten und ein paar hundert Verbündeten in einen letzten – natürlich aussichtslosen – Verzweiflungskampf (siehe DAMALS 6-2023).
Gleichzeitig mit der Schlacht an den Thermopylen eröffnete vor Artemision die persische Flotte mit rund 800 Schiffen den Angriff auf die Seestreitmacht der Verbündeten, die insgesamt 271 Einheiten aufgeboten hatten. Die Perser versuchten, die Griechen von ihren Basen abzuschneiden, indem sie eine Flottille seetüchtiger Schiffe östlich von Euböa Position beziehen ließen. Dieses Vorhaben vereitelte aber ein Sturm, der den Großteil des Verbandes versenkte.
Überhaupt konnten die verbündeten Griechen am Ende einigermaßen zufrieden sein. Zwar hatten sie keinen entscheidenden Sieg über die persische Flotte errungen und konnten deren weiteren Vormarsch Richtung Süden auch nicht aufhalten. Nachdem die Nachricht vom Untergang des Leonidas zur Flotte gelangt war, zogen sich die Griechen zurück. Das Seegefecht hatte ihnen aber demonstriert, dass die Perser keineswegs unbesiegbar waren. Sie hatten deutlich mehr Schiffe verloren als die Griechen. Einigkeit machte stark. Der Widerstand gegen Xerxes war also nicht völlig aussichtslos.
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Spätestens Mitte August war der Weg nach Mittelgriechenland für Xerxes frei. Die Perser besetzten Böotien und zerstörten dort die Städte Thespiai und Platää, die dem Hellenenbund angehört hatten. Auch das Apollon-Heiligtum in Delphi lag nun in ihrer Reichweite. Herodot erzählt, Xerxes habe genau gewusst, wie viel es dort zu holen gab.
Die Bewohner hätten das Orakel befragt, um zu erfahren, wie die Tempelschätze vor den Persern zu schützen seien. Der Gott habe ihnen erwidert, er werde sich schon selbst zu schützen wissen. So geschah es: „Denn als die Barbaren sich bei ihrem Anmarsch eben beim Tempel der Athena Pronaia befanden, da krachten vom Himmel Blitze über sie herein, und vom Parnass brachen zwei Felsgipfel los, stürzten mit lautem Getöse auf sie herab und streckten viele von ihnen nieder; und aus dem Tempel der Pronaia erklang lautes Kriegsgeschrei.“ Die zu Tode erschreckten Perser hätten ihr Heil in der Flucht gesucht. Viele von ihnen seien von den Delphiern erschlagen worden.
Weniger glimpflich kam Athen davon. „Die Stadt soll man anvertrauen der Athena, die über Athen waltet, und den anderen Göttern allen, dass sie sie beschützen und den Barbaren zur Rettung des Landes abwehren“, heißt es im sogenannten Themistokles-Dekret, einer Inschrift des 3. Jahrhunderts v. Chr. aus der Argolis. Der Text gibt vor, einen athenischen Volksbeschluss aus dem Jahr 480 v. Chr. wiederzugeben. Möglicherweise handelt es sich allerdings auch um eine Fälschung.
Sollte das Dekret authentisch sein, dann beschreibt es detailliert, wie die Athener in der Krise handelten: Ihre Stadt war nicht zu verteidigen. Sie Athena anzuvertrauen hieß, sie den Persern zu überlassen. Frauen und Kinder sollten nach Troizen auf der Peloponnes evakuiert, die Alten und sämtliche Wertgegenstände auf Salamis im Saronischen Golf in Sicherheit gebracht werden. „Die übrigen Athener alle und die Fremden im waffenfähigen Alter sollen an Bord der bereitgestellten 200 Schiffe gehen und den Barbaren abwehren, sowohl um ihrer eigenen Freiheit willen als auch der übrigen Griechen.“ Der Rest der Inschrift beschäftigt sich mit der Organisation der Flotte und der Ernennung der Schiffskommandanten.
Die Bundesflotte transportierte also die noch verbliebenen Bewohner nach Salamis, wo sie in Sichtweite des Piräus, den Themistokles zum großen Kriegshafen ausgebaut hatte, das weitere Geschehen abwarteten. „Als die ganze Stadt auf diese Weise in See stach, erregte der Anblick bei den einen Mitleid, bei den anderen Erstaunen über die Unerschrockenheit des Schrittes“, notiert Plutarch. Und weiter: „Denn sie schickten ihre Familien in die eine Richtung, während sie selbst, ungerührt von den Klagen und Tränen und Umarmungen ihrer Lieben, zu der Insel hinüberfuhren, auf der der Feind bekämpft werden sollte.“
Themistokles sorgte dafür, dass ein Orakel verkündete, die Athener sollten sich hinter „hölzernen Mauern“ verschanzen. Das Rätsel war nicht schwer zu entschlüsseln: Wenn etwas Rettung versprach, dann waren es die Schiffe. Appelle an die Verbündeten, sich an der Verteidigung Attikas zu beteiligen, so wie die Athener Griechenland bei Artemision verteidigt hatten, verhallten ungehört.
Die Stadt Athen wird von den Persern zerstört
Während die Verbündeten eine Mauer quer über den Isthmus von Korinth errichteten, um wenigstens die Peloponnes halten zu können, und die Straße von Megara Richtung Süden zerstörten, fielen die Perser in Attika ein. Weitgehend kampflos eroberten sie im September Athen. Nur auf der Akropolis harrte noch eine kleine Besatzung aus, die schließlich die Waffen strecken musste, nachdem die Perser die Wachen überrumpelt hatten. Xerxes ließ die Akropolis plündern und die Tempel in Brand stecken, die einst unter dem Tyrannen Peisistratos errichtet worden waren.
Xerxes kontrollierte den größten Teil Griechenlands und sogar Athen. Aber er befand sich auch unter Zugzwang. Das gewaltige Heer musste versorgt werden, und die Stellung der hellenischen Verbündeten auf dem Isthmus von Korinth war nahezu uneinnehmbar.
Der einzige Weg zur Eroberung der Peloponnes führte über ein Landeunternehmen, und dazu brauchten die Perser ihre Flotte. Die war zwar durch Stürme und das Gefecht vor Artemision arg dezimiert worden, aber immer noch gigantisch. Herodot nennt genaue Zahlen für ihre Stärke: 1207 Schiffe seien auf persischer Seite im September 480 v. Chr. einsatzfähig gewesen. Das Gros davon hätten die Phönizier (300), die Ägypter (200) und die Zyprer (150) gestellt. Der Tragödiendichter Aischylos, ein Zeitgenosse der Perserkriege, bestätigt die Zahl.
Die moderne Forschung hält sie für deutlich zu hoch gegriffen. Möglicherweise enthielt sie Hilfsschiffe und nicht einsatzfähige Fahrzeuge, denkbar ist auch, dass sich die Zeitgenossen an der Zahl orientierten, die Homer für die Flotte der Griechen im Trojanischen Krieg nennt (1186). Höchstwahrscheinlich konnten die Perser nicht mehr als 600 Kriegsschiffe aufbieten.
Damit wären sie der Flotte, die Themistokles zur Verfügung stand, immer noch deutlich überlegen gewesen. Herodot zählt 378 Schiffe, die auf griechischer Seite vor Salamis kämpften, Aischylos nur 310. Das größte Kontingent stellte hier Athen mit 180 Triremen. Auch Korinth und Ägina beteiligten sich mit jeweils mehreren Dutzend Schiffen. Die Herausforderung bestand für Themistokles darin, die Perser überhaupt zum Kampf zu stellen.
Für die Landung auf der Peloponnes, die Xerxes plante, war die Vernichtung der griechischen Bundesflotte keine Voraussetzung. Daran erinnerte den König die karische Königin Artemisia, die – schenken wir Herodot Glauben – einen Teil der persischen Flotte kommandierte und über erheblichen Einfluss bei Xerxes verfügte: „Geh vorsichtig mit deinen Schiffen um und gehe keine Seeschlacht ein! Diese Männer sind deinen Männern zur See um so viel überlegen wie Männer den Frauen“, gab sie ihm zu bedenken.
Niemand stelle sich ihm in den Weg, deshalb sei das Risiko einer Schlacht mit den Griechen völlig unnötig: „Wenn du dich nicht dazu drängen lässt, eine Seeschlacht einzugehen, sondern die Schiffe hier beim Land hältst und hierbleibst oder auch gegen die Peloponnes vorrückst, dann werden sich, Herr, leicht die Ziele einstellen, mit denen im Sinn du nach Griechenland gekommen bist.“
Die Perser tappen bei Salamis in die Falle
Artemisia sollte recht behalten. Themistokles, dessen Flotte im Sund von Salamis vor Anker gegangen war, plante, die Perser in diese Meerenge zu locken, damit sie die quantitative und auch qualitative Überlegenheit ihrer Flotte nicht ausspielen konnten. Dazu simulierte er einen Ausbruchsversuch. Die Perser sollten denken, die Bundesflotte wolle sich nach Süden, Richtung Peloponnes, absetzen. Xerxes ging der Finte auf den Leim. Er ließ seine Flotte bei Einbruch der Dunkelheit die Zugänge zum Sund sperren.
Während die persischen Seeleute den Ausbruch der Griechen erwarteten, erklang, in finsterer Nacht, deren Kriegsgesang: „O Söhne der Griechen, geht, / Befreit euer Land, befreit / Eure Kinder, eure Frauen, die Sitze der Götter eurer Väter, / Und die Gräber eurer Vorfahren: Jetzt ist der Kampf um alles.“
Gegen Morgengrauen lief die persische Flotte in den Sund ein. Wie Themistokles erwartet hatte, verloren die größeren Schiffe des Gegners augenblicklich ihre Manövrierfähigkeit. Sie gerieten in Unordnung und wurden zur leichten Beute der Griechen. Xerxes, der, auf seinem Thron sitzend, von der Kuppe des Berges Aigaleos die Schlacht verfolgte, musste mit ansehen, wie die Griechen Schiff um Schiff versenkten. Fast die Hälfte der persischen Flotte ging verloren: an die 300 Einheiten. Der Großkönig war außer sich vor Wut.
Der Versuch, eine Brücke über den Sund zu schlagen, um Salamis auf dem Landweg zu erobern, misslang. Für Herodot war die Schlacht der entscheidende Wendepunkt des Krieges. Xerxes habe befürchtet, die Griechen könnten jetzt ungehindert zum Hellespont segeln, dort die Schiffsbrücken zerstören und so den Persern den Rückweg nach Asien abschneiden. Deshalb sei er mit dem Großteil der Armee zurück nach Asien marschiert und habe lediglich Mardonios mit rund 100 000 Elitesoldaten in Griechenland zurückgelassen.
Salamis war eine schwere Niederlage, aber hoffnungslos war die Lage für die Perser danach keineswegs. Sie verfügten noch immer über eine starke Flotte und kontrollierten den größten Teil Griechenlands. Aus Attika zog sich Mardonios zwar zurück, um in Mittel- und Nordgriechenland zu überwintern, doch für den Hellenenbund bedeutete der Winter eine harte Belastungsprobe. Die Athener fühlten sich von ihren Alliierten im Stich gelassen, obwohl sie die Hauptlast des Krieges getragen und den größten Anteil am Sieg von Salamis hatten.
Die Peloponnesier weigerten sich, das persische Heer in Böotien anzugreifen, und daraufhin zogen die Athener ihr Flottenkontingent aus der gemeinsamen Seestreitmacht zurück. Mardonios versuchte, noch zusätzlich einen Keil zwischen die Bündnispartner zu treiben, indem er den Athenern einen Separatfrieden anbot: Er stellte ihnen Autonomie und territoriale Zugewinne auf Kosten der Peloponnesier in Aussicht. Die Athener lehnten rundheraus ab. Im Frühjahr kehrten deshalb die Perser zurück. Athen wurde ein zweites Mal eingenommen und abermals verwüstet.
Jetzt endlich setzten die Peloponnesier ein Heer in Marsch, dessen Kern die Spartiaten waren und das von dem spartanischen Heerführer Pausanias kommandiert wurde. Mardonios zog sich nach Böotien zurück, um dem Gegner in der Ebene von Platää die Schlacht anzubieten. Die griechische Hoplitenarmee war den Persern mindestens ebenbürtig und errang, nach anfangs chaotischem Schlachtverlauf, einen triumphalen Sieg. Mardonios war unter den zahlreichen Toten, die auf persischer Seite zu beklagen waren.
Nach dem Sieg von Platää war der Hellenenbund in der Offensive. Der Bund intervenierte in der Ägäis und stürzte den propersischen Tyrannen von Samos. Gegenüber von Samos, bei Mykale, hatten die Perser die Reste ihrer Flotte gesammelt und waren vor Anker gegangen. Der spartanische König Leotychidas, der die hellenische Bundesflotte kommandierte, ließ das gegnerische Lager angreifen und die an Land gezogenen Schiffe zerstören.
Mit dieser Niederlage brach die persische Herrschaft über das ionische Kleinasien weitgehend zusammen. Die griechischen Städte dort waren wieder frei, wenigstens vorläufig.
Die Wege trennen sich wieder
Die Persergefahr war abgewendet. Sie aber hatte die Gemeinschaft gestiftet, die den Hellenenbund erst möglich gemacht hatte. Ohne einen starken Gegner war der Bund nicht handlungsfähig. Man zerstritt sich schon 479 v. Chr. über die Ionien-Frage: Sollte man die kleinasiatischen Griechen in den Bund aufnehmen, um ihnen auch weiterhin gegen die Perser beistehen zu können? Oder war es ratsam, zur Defensive zurückzukehren und die Ionier sich selbst zu überlassen?
Herodot berichtet, die Spartaner hätten sogar vorgeschlagen, ganz Ionien zu evakuieren und die Griechen ins Mutterland zu übersiedeln. So weit kam es nicht, doch der Hellenenbund hatte sich überlebt. Sparta und Athen gingen fortan wieder getrennte Wege, was schließlich in den Peloponnesischen Krieg (431– 404) mündete. Dieser große innergriechische Konflikt öffnete den Persern abermals die Tür nach Griechenland. Die doppelte Niederlage von Salamis und Platää hatte sie für rund 75 Jahre verschlossen. Doch Persien war noch immer eine Weltmacht.
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