Die Zufälligkeit dynastischer Erbfolgen hatte zu Beginn des 16. Jahrhunderts das weltumspannende und Europa beherrschende Reich Karls V. geschaffen. Von relativ bescheidenen Anfängen war das Haus Habsburg zur bestimmenden Dynastie des Kontinents aufgestiegen. Die europäische Geschichte der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und des 17. Jahrhunderts war von der Auseinandersetzung mit dieser Dynastie bestimmt. Kaiser Karl V. hatte, als er 1555/56 zurücktrat, sein riesiges Reich so geteilt, daß Europa von der “monarchia austriaca” beherrscht werden konnte. Nachdem seine Absicht, seinem Sohn Philipp II. (1556–1598) das gewaltige Reich ungeteilt zu vermachen, am Widerstand der deutschen Fürsten gescheitert war, hatte er eine Teilung vorgenommen, die die Vorherrschaft Spaniens zu verbürgen schien. Philipp II. erhielt Spanien mit den Kolonien, dazu das Herzogtum Mailand in Italien und das ehemalige Herzogtum Burgund – das heutige Holland und Belgien – , sowie die Franche Comté. Sein Bruder Ferdinand wurde mit den österreichischen Erblanden, Böhmen und dem Kaisertitel abgefunden. Die so gefundene Ordnung war wohl überlegt. Der Besitz der reichen Niederlande sollte Spanien die Basis für ein Eingreifen im Reich gegen die protestantischen Fürsten in Norddeutschland geben. Das vom Reich Philipp II. zu Lehen gegebene Herzogtum Mailand sicherte die spanische Vorherrschaft über Italien. Mailand war für Spanien auch wichtig, weil es Frankreich den Zugang zu Italien versperrte. Das Reich, in den Händen der österreichischen Linie, sollte den Nachschub für die niederländischen Besitzungen sichern, wenn diese nicht auf dem nördlichen Seeweg versorgt werden konnten. Dieses System geriet an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in eine schwere Krise. Dabei spielten die Konfessionen insofern eine Rolle, als in den Personen Kaiser Ferdinands II., des Herzogs und späteren Kurfürsten Maximilian von Bayern und Philipps III. von Spanien (1598–1621) drei agressive Vertreter der Gegenreformation auftraten, die fest gewillt waren, all das rückgängig zu machen, was die Reformation nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 erreicht hatte. Ihnen trat im Reich der kämpferische Calvinismus im Kurfürstentum der Pfalz und in der Landgrafschaft Hessen-Kassel entgegen.
Die schwierige Situation an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert zeigte sich in drei Erscheinungsformen. Da war einmal die innerhabsburgische Entwicklung: Die Voraussetzungen, unter denen Karl V. die Teilung seines Reiches vorgenommen hatte, erwiesen sich auf Dauer als nicht tragbar. Vor diesem Hintergrund kam es zu erheblichen Spannungen zwischen den beiden Linien der Habsburger und zu einem Machtverfall der österreichischen Linie. Kaiser Ferdinand I. verstärkte diese Entwicklung noch durch die Teilung der Erblande unter seine drei Söhne. Die Kaiser Maximilian II. (1564–1576) und Rudolf II. (1576–1612) waren in ihrer Macht dadurch stark eingeschränkt und mußten alles hinnehmen, was die Spanier in den Niederlanden und Italien trieben. Nur so erklärt sich auch, warum Ferdinand II. über keine eigene Armee verfügte und seinen Vetter Maximilian von Bayern 1618 darum bitten mußte, den “Winterkönig” zu vertreiben.





