Im Jahr 1642 kam es zur militärischen Eskalation: Die Spannungen zwischen dem absolutistisch gesinnten König Karl I. und dem Unterhaus führten zum Englischen Bürgerkrieg. Er wurde zwischen den königstreuen „Cavaliers“ und den Anhängern des Parlaments – den „Roundheads“ – ausgetragen. Neben dem politischen Machtkampf spielten bei dem Konflikt auch die Gegensätze zwischen den verschiedenen religiösen Gruppierungen eine Rolle, die in England, Schottland und Irland zuvor entstanden waren. Ein Stein des Anstoßes war in diesem Zusammenhang, dass Karl I. eine Katholikin zur Königin gemacht hatte. Der Krieg endete schließlich mit einer Niederlage der Royalisten und der Hinrichtung des Königs im Jahr 1649.
Einem seltsam unbekannten Ereignis auf der Spur
Bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich der Historiker David Appleby von der University of Nottingham mit der Erforschung von Geschehnissen im Rahmen des Englischen Bürgerkriegs. Wie er berichtet, stieß er in historischen Dokumenten wiederholt auf Verweise auf eine kriegerische Auseinandersetzung, die ihm seltsam wenig bekannt erschien: die blutige Erstürmung von Shelford Manor im Jahr 1645. “Ich sah mich veranlasst, mich eingehend mit diesem Ereignis zu befassen, da der Name Shelford immer wieder in einigen Dokumenten auftauchte, die allerdings nur indirekt Bezug nahmen. Ich fragte mich, warum ich noch nie davon gehört hatte und warum es in den beiden Hauptwerken über die Gräueltaten des Bürgerkriegs in England nicht erwähnt wurde“, berichtet Appleby. So widmete er sich der Aufgabe, das Ereignis anhand aller verfügbaren Archive und historischen Schriften zu rekonstruieren, sowie zu klären, warum es so unbekannt geblieben ist.
Wie aus den verfügbaren Informationen hervorging, war Shelford Manor ein befestigtes Anwesen östlich von Nottingham, das Philip Stanhope gehörte, dem königstreuen Earl of Chesterfield. Im Sommer 1645 wurden nach einer Niederlage der Royalisten bei Naseby einige Soldaten der zerschlagenen Armee in Shelford Manor einquartiert. Brisant dabei: Es handelte es sich um das Regiment der Königin, das hauptsächlich aus ausländischen Katholiken bestand. Am 1. November 1645 wurde Shelford Manor dann von parlamentarischen Truppen umzingelt. Nachdem Stanhope eine Kapitulation verweigert hatte, kam es schließlich zur Erstürmung der Festungsanlage. Aus Dokumenten in den Archiven von Nottinghamshire ging hervor, dass die Angreifer dabei in brutale Raserei verfielen. Demnach wurden Stanhope sowie die etwa 160 Soldaten der Royalisten brutal massakriert, offenbar auch zusammen mit mehreren Frauen und Kindern. Vermutlich wurden ihre verstümmelten Leichen anschließend auf dem Areal in einer Grube verscharrt.





