Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Blütezeit des Walfangs. Vor allem in Neuengland wurden damals viele robuste Schiffe gebaut, die auf allen Weltmeeren nach den begehrten Meeressäugern suchten. Das aus dem Walfett gewonnene Öl wurde unter anderem für Öllampen und als Schmiermittel eingesetzt, die Knochen dienten als Allzweckmaterial für viele Alltagsgegenstände. Erst in den 1860er Jahren brach die frühe Walfangindustrie ein, weil die Wale selten wurden und Erdöl das Walfett als Rohstoff ablöste.
Walfang auf allen Weltmeeren
Eines der noch in der Spätzeit der Walfang-Ära gebauten Schiffe war die “Dolphin”, ein im Sommer 1850 auf Rhode Island fertiggestellter Rahsegler von rund 33 Meter Länge und einer Verdrängung von rund 300 Tonnen. Dieser Walfänger kreuzte nach seinem Stapellauf zweieinhalb Jahre über den Atlantik und Indischen Ozean, bevor er 1853 mit reichlich Waltran beladen in seinen Heimathafen zurückkehrte. In den folgenden Jahren führten Waldfang-Fahrten die “Dolphin” bis zum Horn von Afrika, zu den Seychellen und nach Australien. Doch auf ihrer letzten, 1858 begonnenen Reise verließ das Glück das Schiff und seine Besatzung: An der Südspitze Südamerikas lief sie auf Felsen auf und sank.
Das Schicksal des Walfangschiffs ist schon lange bekannt, denn ihr Kapitän berichtete vom Verlust seines Schiffs in einem Brief an die Eigner. Er schrieb: “Sie liegt auf den Felsen im südwestlichen Teil der Neuen Bucht.” Mit der “Neuen Bucht” war höchstwahrscheinlich der Golfo Nuevo gemeint, eine Art natürlicher Hafen in Patagonien, in dem früher viele Walfänger Zuflucht suchten. Heute liegt die argentinische Kleinstadt Puerto Madryn an dieser Bucht. Lokaler Tradition nach haben die Bewohner dieser Siedlung schon früher immer wieder Überreste von Schiffen gefunden, doch um welche Schiffe es sich bei diesen Wracks handelte, blieb unklar.
Schiffswrack unbekannter Herkunft
So war es auch bei einem im Jahr 2004 von den sich verlagernden Sanden der Bucht freigegebenen Schiffswrack. In der flachen, bei Ebbe trockenliegenden Gezeitenzone waren nur noch einige Balken und Planken des Schiffsrumpfs und des Decks zu erkennen. Archäologen um Cristian Murray vom argentinischen Nationalinstitut für Anthropologie ermittelten im Jahr 2009 anhand erster Analysen, dass es sich um ein Wrack aus dem 19. Jahrhundert handeln musste. Doch woher das Schiff ursprünglich stammte, ließ sich angesichts nur weniger weiterer Funde nicht ermitteln. Die Forscher vermuteten aber schon damals, dass es sich um ein Walfangschiff aus Europa oder Nordamerika handeln könnte – dafür sprachen auch zwei im Meeressediment gefundene eiserne Kessel, wie sie früher von den Walfängern verwendet wurden.






