Die Wikinger dominierten über Jahrhunderte die Meere Europas und drangen sogar bis nach Grönland und Nordamerika vor. Ihre Siedlungen und Handelsplätze, aber auch militärische Festungen überzogen die Küstengebiete Nordeuropas und der britischen Inseln. Ihre enge Verbundenheit mit dem Meer und der Schifffahrt zeigte sich auch an ihren Gräbern: Hochrangige Wikinger wurden oft mit einem Schiff unter einem Grabhügel bestattet. In Norwegen sind bisher nur wenige größere Bootsgräber entdeckt worden, eines davon ist das 1904 gefundene Oseberg-Schiff, das bis heute als größter und wichtigster Fund dieser Art gilt.
Eine Region, aus der bereits zwei größere Bootsgräber bekannt sind, ist auch das Küstengebiet rund um den Karmsund. Diese Wasserstraße im Südwesten Norwegens trennt die Insel Karmøy vom Festland und bildet einen wichtigen Verbindungsweg entlang der Küste nach Norden. Zur Zeit der frühen Wikinger war der Karmsund eine strategisch und wirtschaftlich entscheidende Seeroute, von seinem alten Namen Nordvegen leitet sich heute der Name Norwegens ab. Entlang der Küsten dieser Meeresstraße zeugen zahlreiche archäologische Funde von der frühen Präsenz der Wikinger. Die beiden Schiffsgräber Grønhaug und Storhaug liegen nahe der Karmsund-Küste auf der Insel Karmøy.
Bodenradar enthüllt 20-Meter-Schiff
Jetzt haben Archäologen um Håkon Reiersen von der Universität Stavanger noch ein drittes großes Schiffsgrab auf Karmøy entdeckt. Auf der Suche nach Funden aus der frühen Wikingerzeit hatten sie einen flachen Hügel, Salshaugen, untersucht, auf dem schon vor rund 100 Jahren einige Wikinger-Artefakte entdeckt worden waren. Die Größe und Form der Erhebung legten nahe, dass es sich um die Reste eines Grabhügels handeln könnte. Die Forscher schätzen, dass der Hügel früher fünf bis sechs Meter hoch und rund 50 Meter breit war. “Es war riesig! Der größte Teil von ihm ist heute verschwunden, aber ein Plateau ist geblieben, in dem sich der spannendste Teil des Grabes verbergen könnte”, berichtet Reiersen.
Untersuchungen des Plateaus mittels Bodenradar enthüllten tatsächlich eine auffällige Struktur. “Die Bodenradar-Signale zeigen die Form eines rund 20 Meter langen Schiffs”, berichtet Reiersen. “Es ist ziemlich breit und erinnert an das Oseberg-Schiff.” Die schiffsförmige Struktur liegt in der Mitte des Hügels und damit genau dort, wo man ein Schiffsgrab vermuten würde. Nach Ansicht des Archäologen spricht damit alles dafür, dass sich auch im Salshaugen ein solches Schiffsgrab verbirgt. Ein weiteres Indiz liefert eine vor rund 100 Jahren auf dem Hügel entdeckte große, runde Steinplatte. “Sie könnte als eine Art Opferaltar genutzt worden sein”, sagt Reiersen. “Eine ganz ähnliche Platte wurde im Storhaug-Grabhügel gefunden.”





