Am 16. September 1891 in Grünau bei Berlin geboren, trat Karl Dönitz am 1. April 1910 als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein. Nach seiner Ausbildung wurde er als Leutnant zur See als Signaloffizier auf dem Kreuzer „Breslau“ verwendet, der zusammen mit der „Goeben“ zu Beginn des Krieges an die Türkei übergeben worden war. Dönitz’ Versetzung nach Deutschland zur Ausbildung zum U-Boot-Offizier erfolgte 1916. Im Jahr darauf wurde er zunächst als Wachoffizier eingesetzt, bevor er 1918 das Kommando über „UC 25“, anschließend über „UB 68“ übertragen bekam. Durch einen technischen Defekt zur Aufgabe seines Bootes gezwungen, geriet er im Oktober 1918 in britische Gefangenschaft, aus der er im Juli 1919 zurückkehrte.
Dönitz trat in die Reichsmarine ein und leistete Dienst in verschiedenen Land- und Bordverwendungen. Im September 1934 wurde er, mittlerweile Fregattenkapitän, Kommandant des Kreuzers „Emden“. Im Juli 1935 betraute ihn der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine (kurz zuvor umbenannt von Reichsmarine in Kriegsmarine), Admiral Raeder, mit der Aufstellung einer neuen deutschen U-Boot-Waffe, die aufgrund des deutsch-britischen Flottenabkommens im Gegensatz zu den Bestimmungen des Versailler Vertrags möglich geworden war. Mit drei Unterseebooten begann Dönitz zunächst als Chef der Unterseebootsflottille „Weddigen“, dann als „Führer der U-Boote“ (FdU) eine Verwendung, die er selbst anfänglich als nicht förderlich ansah. Er betrachtete seine Karriere mit der neuen Dienststellung als beendet.
Dennoch gelang es ihm, mittlerweile im Dienstgrad eines Kapitäns zur See, die U-BootWaffe in personeller wie in materieller Hinsicht auszubauen. Mit der von ihm weiterentwickelten Rudeltaktik, die ihre Ursprünge in Planungsstudien zu Ende des Ersten Weltkriegs und in den 20er Jahren hatte, machte er die U-Boote zu einem schlagkräftigen Seekriegsinstrument – und dies, obwohl die Marineführung die Bedeutung des U-Boots – entgegen den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs – eher als gering bewertete und Großkampfschiffen und Kreuzern den Vorzug gab.
Durch sein Charisma erreichte Karl Dönitz bei „seinen Männern“ eine zielgerichtete willige Gefolgschaft ihm gegenüber. Während des Kriegs stilisierte er die U-Boot-Waffe, die bei Kriegsausbruch nur über 57 Boote verfügte, zum „vierten Wehrmachtteil“. Er bestach sowohl als Führer der U-Boote wie später als Befehlshaber der U-Boote in den Augen der U-Boot-Besatzungen durch Charisma, menschliche Wärme und Fürsorge sowie durch die subjektiv empfundene, fortwährende Abschottung der U-Boot-Fahrer gegenüber politischen Einflüssen.
Die bei Kriegsbeginn einsetzende Umorientierung der Kriegsmarine-Führung auf eine verstärkte U-Boot-Rüstung schien dem Befehlshaber der U-Boote recht zu geben, der bereits vor Kriegsbeginn eine Aufrüstung seiner Waffengattung verlangt haben will. Die Angehörigen der Kriegsmarine sahen hierin im Nachhinein etwas Visionäres, und das gab dem „Mythos Dönitz“ Nährboden. In diesem Zusammenhang blieb die bereits im „Z-Plan“ der Kriegsmarine von 1938/39 geplante Anzahl von mehr als 300 U-Booten, die 1946/1948 zur Verfügung stehen sollten, stets unberücksichtigt. Die Führung der Kriegsmarine, die fest glaubte, dass die von Hitler geforderte Kriegsbereitschaft der Marine zur Absicherung Europas zur See erst in den Jahren 1946 bis 1948 erforderlich sei, hatte die Forderungen des FdU planerisch zwar berücksichtigt, doch hatte die Kriegsmarine beim faktischen Kriegsbeginn ihr volles geplantes Rüstungspotential noch nicht einmal ansatzweise realisieren können. Wieder einmal, wie zu Beginn des Ersten Weltkriegs, war in der Beurteilung der Marine der Krieg zu früh begonnen worden…





