Etwa 1200 Meter lang und 400 Meter breit liegt sie neben anderen Flussinseln in der von wirbelndem Wasser geprägten Katarakt-Region bei der südägyptischen Stadt Assuan: Elephantine besitzt trotz dieser bescheidenen Ausmaße seit Urzeiten eine große Bedeutung. Davon zeugen altägyptische Gebäudereste, die bis auf die 1. Dynastie zurückgehen, sowie Tempelruinen, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Besonders bekannt sind zwei Nilometer auf der Insel, die im Altertum zur Prognose der Nilschwemme dienten. In einer aktuellen Veröffentlichung hat sich nun der Ägyptologe Ludwig Morenz von der Universität Bonn in spezieller Weise mit der Geschichte und Bedeutung Elephantines sowie der Katarakt-Region beschäftigt.
Zunächst stand dabei der Ursprung des markanten Namens im Fokus: Elephantine ist die griechische Übersetzung des altägyptischen Wortes für Elefant. Dies spiegelt sich auch in der Hieroglyphe der Nilinsel wider: Sie zeigt einen Elefanten und ein Gebirgssymbol. „Elephantine wurde im pharaonenzeitlichen kulturellen Denken als der Ursprungsort des Nils konzipiert“, sagt Morenz. Obwohl die Menschen damals eigentlich schon wussten, dass der Nil von weiter her zu ihnen kam, bevorzugten sie die Vorstellung, sein eigentlicher Ursprung liege in Ägypten selbst. Konkret sahen sie ihn in der von felsigen Inseln geprägten Katarakt-Region bei Assuan, die als Grenze des Reichs im Süden galt. „Das im Katarakt zwischen den Felsen zunächst beinahe verschwindende Wasser, das dann weiter nördlich bei Elephantine wieder zutage tritt, übte wohl eine besondere Faszination aus“, sagt Morenz.
Mythisch-poetische Sinnzuschreibung
Darüber, wie es zu der Assoziation der Insel mit einem Elefanten gekommen ist, gibt es verschiedene Ansichten. Morenz vertritt in seiner Publikation nun eine Erklärung, die aus zwei Elementen besteht: Aussehen und Verhalten. Ihm zufolge ähnelt die Inselstruktur aus einem bestimmten Blickwinkel heraus an einen im Wasser stehenden Elefanten, von dem vor allem der Kopf sichtbar ist. Dieser Eindruck wird durch die Vorstellung komplementiert, dass für das Verschwinden und Wiederauftauchen des Wassers ein Elefant verantwortlich ist: Mit seinem Rüssel saugt er das Wasser im Süden ein und spritzt es dann über seinen Kopf hinweg nach hinten in Richtung Norden. „Über diese bildhaften Vorstellungen, die die Menschen damals entwickelt haben, dürfte die Insel zu ihrem Namen gekommen sein“, ist der Ägyptologe überzeugt.
Morenz zufolge geht aus diesem Erklärungsansatz auch ein Hinweis auf die Zeit hervor, in der die Insel ihren Namen erhielt. Denn um Felsformationen und Wasserbewegungen mit Elefanten in Verbindung zu bringen, müssen die Namensgeber mit diesen heute in der Region ausgestorbenen Tieren vertraut gewesen sein. Somit rückt die Zeit bis zur Mitte des vierten Jahrtausends ins Visier, denn bis dahin lebten die Dickhäuter noch nachweislich in Südägypten, erklärt Morenz.





